Presseartikel  
19./20. August 2006 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 192/2006

Trichterförmige Grube in St. Ulricus rätselhaft
Graböffnung zum Tag des offenen Denkmals geplant

Börninghausen (wm). Die Erde unter der St. Ulricus-Kirche in Börninghausen ist offenbar für eine Menge Überraschungen gut. Jetzt hat sich endgültig herausgestellt, dass der Turm kein freistehender Wehrturm war, sondern nachträglich an eine vorher bestehende Kirche angebaut wurde.
 
  Vermessungsarbeiten in der St. Ulricus-Kirche: Bodenarchäologe Stefan Leenen an der Stelle, an der eine tiefe Grube trichterförmig in den Boden führt. Ging man vor einiger Zeit noch davon aus, dass sie sozusagen als Deponie genutzt worden sein könnte, so hat sich dies nun nicht bestätigt - es wurden keine Reste von Bauarbeiten oder dem damaligen täglichen Leben gefunden. Mittlerweile ist man bei der Grabung auf Lehm gestoßen, der deutliche Anzeichen von Verbindung zum Grundwasser zeigt.

Vermessungsarbeiten in der St. Ulricus-Kirche: Bodenarchäologe Stefan Leenen an der Stelle, an der eine tiefe Grube trichterförmig in den Boden führt. Ging man vor einiger Zeit noch davon aus, dass sie sozusagen als Deponie genutzt worden sein könnte, so hat sich dies nun nicht bestätigt - es wurden keine Reste von Bauarbeiten oder dem damaligen täglichen Leben gefunden. Mittlerweile ist man bei der Grabung auf Lehm gestoßen, der deutliche Anzeichen von Verbindung zum Grundwasser zeigt.

Zu dieser Erkenntnis kommt der Bodenarchäologe Dr. Otfried Ellger, der gemeinsam mit seinem Kollegen Stefan Leenen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe und freiwilligen Helfern vom Börninghauser Kirchbauverein derzeit die Grabungen in der Kirche durchführt (die LK berichtete). Im Turmbereich wurde eine etwa rechteckige Grube mit Füllmaterial gefunden, die sich als Grabstelle entpuppte. Dr. Ellger: »Diese drei Gräber, darunter vermutlich ein Kindergrab, sind der Beweis für einen Außenfriedhof, der ohne Kirche nicht denkbar ist. Und dass sie wohl älter sind als der Turm, ergibt sich aus ihrer - christlichen - Lage in Ost-West-Richtung.«

Bis zum Tag des offenen Denkmals will man soweit sein, dass man zumindest ein Grab geöffnet hat und es interessierten Besuchern zeigen kann. Bei erwarteten Knochenfunden soll dann auch das Alter bestimmt werden, kündigte Uwe Ramsberg, Vorsitzender des Kirchbauvereins, an.

Ellger und seine Helfer stehen derzeit außerdem vor einem tiefen Loch -und damit vor einem ebenso großen Rätsel. Rund zwei Meter tief ist die Grube, gemessen vom ehemaligen Fußboden aus. Der Archäologe, der sie derzeit dokumentiert, hat so etwas noch nicht erlebt. »Da wir bislang nichts gefunden haben, bleibt als einzige Erklärung, dass die Grube, angelegt wie ein Trichter und wohl einmalig in Westfalen, zur Lehmentnahme diente. Warum man sie aber in einer Kirche anlegte, ist sehr merkwürdig. Vielleicht wollte man damals mit einem Dach über dem Kopf trocken arbeiten. Insgesamt ein bemerkenswerter Umgang mit dem Gotteshaus«, folgert er und hofft auf des Rätsels Lösung, wenn bei der Grabung demnächst rund 40 Zentimeter tiefer gewachsener Boden erreicht wird.

Uwe Ramsberg (l.) und Friedel Brinkmeier beim ehrenamtlichen Einsatz in St. Ulricus: Mittlerweile haben schon zahlreiche Besucher von auswärts die interessante Grabungsstätte im Eggetal besucht.

Uwe Ramsberg (l.) und Friedel Brinkmeier beim ehrenamtlichen Einsatz in St. Ulricus: Mittlerweile haben schon zahlreiche Besucher von auswärts die interessante Grabungsstätte im Eggetal besucht.
Fotos: Wilfried Mattner

 


Blick auf einen Teil des alten Turmfundamentes: Rechts und links sind deutlich Absenkungen um bis zu 25 Zentimeter zu sehen, Zeichen dafür, wie der Boden unter den fast zwei Metern dicken Mauern nachgibt.

Blick auf einen Teil des alten Turmfundamentes: Rechts und links sind deutlich Absenkungen um bis zu 25 Zentimeter zu sehen, Zeichen dafür, wie der Boden unter den fast zwei Metern dicken Mauern nachgibt.