Presseartikel  

23. August 2006 - Wittlager Kreisblatt, Lokalausgabe der "Neue Osnabrücker Zeitung" Nr. 196/2006

Grundmauern aus dem 13. Jahrhundert freigelegt
Sanierung der St.-Ulricus-Kirche macht Fortschritte - Viele Gemeindemitglieder engagieren sich für das Projekt
Von Joern Spreen-Ledebur

BÜSCHERHEIDE / BÖRNINGHAUSEN. Erdreich bedeckt den Boden. Eine Schiebkarre steht herum, altes Mauerwerk ist freigelegt. Gottesdienste werden auf dieser Baustelle so schnell noch nicht gefeiert werden können.

Kleingeld aus lange verangenen Tagen: Gefunden haben die Archäologen auch Münzen aus mittelalterlichen Grafschaften.
Sie gehört zu den ältesten Kirchen im Lübbecker Land. Für Gottesdienste steht die Börninghauser St.-Ulricus-Kirche derzeit aber nicht zur Verfügung. Das Gotteshaus gleicht einer Baustelle. Nach der dringend erforderlichen Sanierung der mittelalterlichen Gewölbe und der Sicherung des Turmes soll St. Ulricus nun einen neuen Fußboden und eine neue Heizung bekommen.

Der neue Fußboden - der wird im Vergleich zum bisherigen Boden um 55 Zentimeter abgesenkt. "Das ist dann das alte Niveau", sagt Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann und verweist auf entsprechende Erkenntnisse, die die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) bei den Grabungen gewonnen haben.

Die Wirkung des Kircheninneren dürfte sich durch die Tieferlegung des Bodens verändern. Es dürfte weniger gedrungen aussehen als dies in den vergangenen Jahrzehnten der Fall war. Auch der neue Bodenbelag dürfte das Kircheninnere heller erscheinen lassen. Helle Natursteine sollen verlegt werden, so Beckmann. Auch dies sei mit den Denkmalexperten des Landschaftsverbandes abgestimmt worden. Einst sei der Boden des Gotteshauses ebenfalls mit hellen Steinen ausgelegt gewesen, so Beckmann.

Vom Tisch ist nach Angaben des Pfarrers der Einbau einer Fußbodenheizung. Eine zu große Hypothek sei das für folgende Generationen, meint er. "Im Schadensfall müsste der Fußboden wieder aufgenommen werden." Stattdessen werden fünf Heizelemente in der Kirche eingebaut. Mit rund 45000 Euro kostet das auch nur halb so viel wie eine Fußbodenheizung. Die Bauarbeiten sollen nach dem jetzigen Stand der Dinge im Frühjahr kommenden Jahres beginnen. Bis dahin muss allerdings die Finanzierung geklärt sein. Fußboden und Heizung kosten zusammen 140000 Euro. Davon sollen Arbeiten im Wert von 12000 Euro in Eigenleistung erbracht werden.

So tief geht es runter: Pfarrer Freidrich Wilhelm Beckmann steht auf dem historischen Fußboden-Niveau in der Ulricus-Kirche. Der soll jetzt wieder hergestellt werden, der Boden wird deshalb um 55 Zentimeter abgesenkt.
Zuschussanträge haben die Börninghauser nach Angaben Beckmanns bei der deutschen Stiftung Denkmalschutz (Bonn) und der Stiftung zum Erhalt kirchlicher Baudenkmäler (Hannover) gestellt. Beide Stiftungen wollten der Kirchengemeinde weiter unter die Arme greifen, betont der Pfarrer. In welcher Höhe allerdings der nächste Bauabschnitt gefördert wird, soll erst im November entschieden werden.

Bei der Sanierung ihres Gotteshauses legen die Bürger aus dem Eggetal aber auch selbst tatkräftig Hand an. Freiwillige hatten schon bei den Grabungen geholfen, freiwillige Helfer werden jetzt auch den Anstrich des Turmes vornehmen. Unterstützt werde das von Hans Meyer, freut sich Beckmann über das Engagement innerhalb der Gemeinde für St. Ulricus, wo möglicherweise im Mai 2008 wieder der erste Gottesdienst gefeiert werden kann.

Ein verlässlicher Partner bei der Sanierung ist auch der Kirchbauverein. Der zählt zurzeit 450 Mitglieder; die Tendenz sei steigend. Rund 150 Mitglieder wohnen in anderen Regionen, 300 in der Gemeinde. Über den Kirchbauverein bekomme die Gemeinde jährlich Einnahmen in Höhe von knapp 10000 Euro. Beckmann: "Das hilft schon sehr viel weiter."

Auch Spenden gibt es immer wieder - und das nicht nur bei Familienfeiern. Auch der Freiburger Erzbischof Dr. Robert Zollitzsch will den Erhalt des dem Heiligen Ulrich (um 890 bis 973; lange Jahre Bischof von Augsburg) geweihten Gotteshauses fördern. Der Erzbischof spendete dem Börninghauser Kirchbauverein 300 Euro.

Bei den Grabungen haben die LWL-Archäologen um Dr. Otfried Ellger übrigens nicht nur Münzen aus verschiedenen mittelalterlichen Grafschaften ausgegraben. Freigelegt haben sie neben den Mauern eines Seitenaltars auch romanische Grundmauern, die in die Zeit um 1280 datieren. Anders als bislang angenommen sei der Chorraum von St. Ulricus nicht das älteste Bauteil der Kirche. Die Mauerfunde deuteten darauf hin, dass an der Stelle des heutigen Kirchenschiffes bereits ein Gotteshaus gestanden habe. Demnach stammt der Chorraum aus jüngerer Zeit.


Die Orgel wurde vom Großen Kurfürst gestiftet

Die Börninghauser St.-Ulricus-Kirche ist in mehreren Punkten eine Besonderheit unter den Gotteshäusern in der Region. Es ist die Predigtstätte des Eggetales und dazu gehört mit Büscherheide auch ein Teil der niedersächsischen Gemeinde Bad Essen. Der Chorraum von St. Ulricus ist im romanischen Stil gebaut, das Kirchenschiff selbst weist gotische Fenster und Gewölbe auf. Der gedrungene Turm mit seinem Satteldach erinnert an einen Wehrturm. Bemerkenswert ist die Orgel, die 1684 vom Großen Kurfürst gestiftet worden war. Daran erinnert eine Inschrift auf dem Prospekt, der Schauseite des Instruments. Aus dem späten 17. Jahrhundert stammt die Brüstung der Empore. Die Empore soll in verkleinerter Form wieder eingebaut werden. Die Empore an der Westweite ist aus Sicht der Denkmalschützer lediglich eine unsachgemäße Ergänzung und wird nach Abschluss der Bauarbeiten nicht wieder hergestellt. Geweiht ist die Börninghauser Kirche dem Augsburger Bischof Ulrich (um 890 bis 973). Ulrich war ein enger vertrauter Königs Otto I. und hatte maßgeblichen Anteil daran, die immer wieder nach Bayern eindringenden Ungarn zu besiegen und  bei der Schlacht auf dem Lechfeld entscheidend zu schlagen. Später förderte Ulrich das Mönchstum, kümmerte sich um Arme und Kranke. Er wurde 993 durch Papst Johannes XV heilig gesprochen.