Presseartikel  
12. September 2006 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 212/2006

Geschichte kann überaus lebendig sein
Denkmäler in Pr. Oldendorf stießen auf reges Interesse - Rückblicke auf viele Jahrhunderte

Pr. Oldendorf (cm). Zum »Tag des offenen Denkmals« hatten in Pr. Oldendorf verschiedene Kulturdenkmale ihre Tore für interessierte Besucher geöffnet, darunter auch die St. Ulricus-Kirche in Börninghausen und das malerische Schloss Hüffe in Lashorst.
 
  Im Westteil der Kirche ist man u.a. auf die Fundamente eines Taufbeckens gestoßen, wie Dr. Ottfried Ellger erläutert. Foto: Cornelia Müller Vor zwei Jahren begann man in Börninghausen mit der dringend notwendigen Sanierung der St. Ulricus-Kirche. Inzwischen finden dort Grabungsarbeiten statt, die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, unterstützt von ehrenamtlichen Helfern aus der Kirchengemeinde, durchgeführt werden. über den bisherigen Verlauf der Grabungen (die LK berichtete mehrfach) informierte nun der leitende Archäologe, Dr. Otfried Ellger. Diese haben vor allem eines zweifelsfrei ergeben: Die Geschichte der Börninghauser Kirche ist älter, als man bisher angenommen hatte. Urkundliche Erwähnungen gibt es nicht vor dem späten 13. Jahrhundert, und »von der schriftlichen Überlieferungsgeschichte her war nicht zu erwarten, dass wir so viele Hinweise auf ältere Kirchenbauten finden würden«, berichtet Dr. Otfried Ellger.

So hatte man lange Zeit angenommen, der Turm der Kirche habe zunächst frei gestanden und sei erst nachträglich mit dem Chor verbunden worden. Die Grabungen beweisen nun aber das Gegenteil: Chor und Turm sind an eine schon vorher bestehende Kirche angebaut worden. Einen wichtigen Hinweis geben zwei christliche Gräber, die im Boden unter dem Turm gefunden wurden. »Die Gräber sind Reste eines alten Außenfriedhofs«, so Dr. Ellger. Wenn die dort gefundenen Knochenreste erst datiert seien, ließen sich weitere gesicherte Erkenntnisse über die Entstehung der Börninghauser Kirche gewinnen. Andere Fundstücke - zahlreiche Münzen, eine alte Öllampe, in älteren Bodenschichten auch Scherben - werden derzeit im Westfälischen Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte in Münster untersucht. Und bis jetzt deute alles darauf hin, dass die Kirche irgendwann zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert an einem Ort gebaut worden ist, der schon vorher als Hofstelle besiedelt war.

Katharina Gräfin von Schwerin-Krukemeyer vor einem Porträt des Erbauers von Schloss Hüffe, Friedrich Christian Arnold von Jungkenn. Foto: Cornelia Müller Auch die Geschichte von Schloss Hüffe in Lashorst reicht bis ins Mittelalter zurück, wenn auch das heutige Gebäude erst aus dem 18. Jahrhundert stammt. Friedrich Christian Arnold von Jungkenn hatte das Schloss 1773 im spätbarock-klassizistischen Stil errichten lassen. Im Jahr 1977 erwarb die heutige Eigentümerin, Katharina Gräfin von Schwerin-Krukemeyer, Schloss Hüffe, das damals vom Roten Kreuz als Altenheim genutzt wurde. Das Anwesen wurde sorgfältig restauriert und ist ein echtes Schmuckstück unter den Pr. Oldendorfer Sehenswürdigkeiten. Als Privatbesitz ist Schloss Hüffe nur selten der Öffentlichkeit zugänglich, so dass viele gern die Gelegenheit nutzten, einen Blick in den berühmten »Spiegelsaal« zu werfen, von dem Landrat Wilhelm Krömer einmal gesagt hat, es sei der »schönste Raum, den wir in der Region haben«.

Weitere Veranstaltungen zum »Tag des offenen Denkmals«, die ebenfalls auf reges Besucherinteresse stießen, fanden in der Gutswassermühle Holzhausen-Hudenbeck, in der evangelischen Kirche Holzhausen, in der Burganlage Limberg, im Feuerwehrmuseum Schröttinghausen und auf dem jüdischen Friedhof an der Bergstraße in Pr. Oldendorf statt.