Presseartikel  

14. September 2006 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 214/2006

Was gehört zu einer Kirche?
Hauptausschussmitglieder wundern sich über Auffassung des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege
VON KIRSTEN TIRRE

Pr.Oldendorf. Mitte der 80er Jahre wurde die St.-Ulricus-Kirche in Börninghausen unter Denkmalschutz gestellt. Dass damit nicht nur das Gemäuer, sondern auch das Kircheninventar gemeint war, davon ging die Allgemeinheit aus. Falsch gedacht.

So hatte sich der Hauptausschuss mit der Frage zu befassen, ob der Denkmalumfang für die St.-Ulricus-Kirche um die Kirchenausstattung zu erweitern ist. Hintergrund: Das Westfälische Amt für Denkmalpflege hat bei einer Ortsbesichtigung festgestellt, dass in der Kirche Schätze schlummern, die nach Auffassung der Behörde unbedingt in die Denkmalliste der Stadt Pr. Oldendorf eingetragen werden sollten. Dazu zählt der mittelalterliche Altar ebenso wie das auf 1686 datierte Taufbecken, die Predella oder das Kirchengestühl. Kopfschütteln, so die Reaktion der Hauptausschussmitglieder durch die Bank. Parlamentarier wie auch der anwesende Stadtheimatpfleger Dieter Besserer vertraten die Auffassung, dass ein Kirche nur insgesamt ein Denkmal sein kann mit „allen dazu gehörenden beweglichen und unbeweglichen Ausstattungsgegenständen“. Und wenn die Rechtsauffassung eine andere sei, dann wäre die Inventarliste des Denkmalamtes mehr als unvollständig. So hatte der Stadtheimatpfleger im Eiltempo schnell noch einige Ausstattungsgegenstände nachnominiert, die dann ebenfalls zwingend unter Denkmalschutz zu stellen wären.

Dazu zählt beispielsweise die Empore oder Prieche von 1684 ebenso wie das so genannte Mamelsteinbild, das unter anderem den 1636 verstorbenen Pfarrer Marmelstein abbildet. Auch die Grabsteine auf dem Erbbegräbnis oder die Figur des heiligen Bischofs Ulrich von Augsburg wollte Besserer unter Schutz gestellt wissen. Da war der Hauptausschuss ganz seiner Meinung und erklärte, dass sich die Inventarliste sicher noch erweitern ließe, wenn alles in Ruhe geprüft werde. Schließlich sei bei den Grabungen im Zuge der Kirchsanierung auch noch das eine oder andere Schätzchen wie Münzen ans Tageslicht gekommen, so Uwe Ramsberg (SPD).

Und überhaupt: Wenn diese Rechtsauffassung des Münsteraner Denkmalamtes Bestand haben sollte, dann, so Ernst August Schrewe (CDU) „zieht das einen ganzen Rattenschwanz nach sich.“ Nichts desto trotz votierte das Gremium einstimmig für den Beschlussvorschlag, die vom Denkmalamt angegebenen Ausstattungsstücke von St. Ulricus in die städtische Denkmalliste einzutragen, wobei die Auflistung noch um die vom Stadtheimatpfleger angeführten Punkte erweitert wurde. Aus seinem Widerstreben, überhaupt so einen Beschluss zu fassen, machte das Gremium dabei keinen Hehl.

Wie Bürgermeisterin Anke Korsmeier-Pawlitzky erklärte, müsse ungeachtet der Rechtsauffassung jetzt schnell ein Beschluss auf den Tisch, da die Unterschutzstellung für Zuschussanträge bedeutsam sei. „Sollte das Inventar doch schon automatisch im Denkmalschutz mit eingeschlossen sein, dann gilt halt – doppelt gemoppelt hält besser.“


AM RANDE
Da wiehert mal wieder der Amtsschimmel - Denk mal an
VON KIRSTEN TIRRE

Kaum zu glauben: Da steht eine Kirche seit mehr als 20 Jahren unter Denkmalschutz, doch augenscheinlich ist damit nur das Gemäuer, nicht aber das Inventar gemeint, das doch unweigerlich zum Charakteristikum der St.-Ulricus-Kirche zählt.

Sollte dieses Auffassung der Denkmalbehörde in Münster sein, dann kommt auf den Stadtheimatpfleger viel Arbeit zu. Haarklein müsste dann von der Kanzel bis zum Kelch alles historisch Bedeutsame aufgelistet werden, damit ja nichts (der Nachwelt) verloren geht. Was für St. Ulricus gilt, würde dann prinzipiell für alle Denkmäler gelten. Und davon hat Pr. Oldendorf bekanntlich reichlich. Das kostet nicht allein den Stadtheimatpfleger, sondern alle Entscheidungsträger Zeit – und Nerven.

Apropos: Da war doch was mit Bürokratieabbau. Oder steht der etwa auch schon unter Denkmalschutz?