Presseartikel  

28./29. Oktober 2006 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 251/2006

„Wir haben mehr als erwartet gefunden“
Zuschüsse für Heizung und Fußboden der St.-Ulricus-Kirche sind zugesagt / Ausgrabungen bis Ende November
VON WALDEMAR FREITAG

Pr. Oldendorf - Börninghausen. Ende November dieses Jahre sollen die Ausgrabungsarbeiten in der St.-Ulricus-Kirche beendet sein. Anfang nächsten Jahres will man mit der Installierung einer Heizung und der Verlegung eines Fußbodens beginnen. Die Kosten dafür: Rund 140.000 Euro. Doch finanzielle Hilfe ist in Sicht.

Es gibt viel zu entdecken: Archäologe Dr. Ottfried Ellger (r.) und seine beiden Helfer, die Zivildienstleistenden Moritz Fehr (l.) und Florian Lang, haben unter einem alten, kleinen Fensters die Reste des Stufenunterbaus einer Taufe freigelegt. FOTO: WALDEMAR FREITAG
„Rund 80.000 Euro an Zuschüssen sind uns für den dritten Bauabschnitt zugesagt worden“, sagt Uwe Ramsberg, Vorsitzender des Kirchbauvereins. Das Geld kommt von der deutschen Stiftung Denkmalschutz mit Sitz in Bonn und von der Stiftung zum Erhalt kirchlicher Baudenkmäler aus Hannover. Die restlichen 60.000 Euro müssen durch Eigenmittel und Spenden aufgebracht werden.

Voraussichtlich ab Mai 2008 können in der Börninghauser Kirche wieder Gottesdienste gefeiert werden. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Arbeit, bei der auch freiwillige Helfer aus der Gemeinde, mit anpacken.

Ihrem Ende entgegen gehen die Ausgrabungen. Schicht für Schicht, Stein für Stein legt Dr. Ottfried Ellger, Archäologe beim Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), mit seinen Helfern den Bodenbereich in der Kirche frei.

„Dabei haben wir mehr als erwartet gefunden“, sagt Dr. Ellger. Scherben von Kümpfen – also recht primitiven Töpfen – und frühen Kugeltöpfen etwa, die der Archäologe auf die Zeit Karl des Großen (um 800 n. Chr.) datiert, lassen auf einen alten Siedlungsbereich schließen. „Hier oder unmittelbar in der Nähe muss damals ein Hof gestanden haben“, erklärt Dr. Ellger. Wann hier das erste Gotteshaus gebaut wurde, ist noch nicht klar. Der Turm als ältester noch stehender Bauteil und die schriftliche Überlieferung sprachen bisher für eine Errichtung in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. „Aber es sieht so aus, als ob die Kirche wesentlich älter sei“, meint Dr. Ellger. Derzeit sucht das Ausgrabungsteam nach Aufschluss gebenden Scherben. Außerdem wartet man auf eine C-14-Analyse, mit welcher die im Kirchturmbereich gefundenen Knochen datiert werden können.