Presseartikel  
28./29. Oktober 2006 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 251/2006

Scherben gefunden
Uwe RamsbergMünzen und Tonscherben, wie diese in Händen von Uwe Ramsberg, wurden bei Grabungen in der St. Ulricus-Kirche gefunden. Die Arbeiten enden demnächst.


(Dieser Hinweis befindet sich auf der ersten Seite der Lokalausgabe. Es folgt der Artikel aus dem Lokalteil.)

 

 

Ramsberg: Weihnachtsmesse 2007 wieder in St. Ulricus
Ausgrabungen in der St. Ulricus-Kirche gehen dem Ende entgegen
Von Wilfried Mattner

Börninghausen (WB). In der St. Ulricus-Kirche laufen umfangreiche Ausgrabungen seit rund einem Jahr. Nun ist das Ende in Sicht: Die Schlussbesprechung ist Ende November vorgesehen.

Sorgfältig »buddeln«, genau abmessen und zeichnen: Bodenarchäologe Dr. Otfried Ellger (hinten links) sorgt mit den Zivildienstleistenden Moritz Fehr und Florian Lang (rechts) dafür, dass wichtige Zeugen aus längst vergangenen Tagen der Nachwelt im Bild erhalten bleiben. Fotos: Mattner

  Bis dahin ist aber durchaus denkbar, dass der Bodenarchäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Dr. Otfried Ellger, gemeinsam mit ehrenamtlich engagierten Helfern noch Jahrhunderte alte Zeugen aus dem Kirchenfußboden zutage fördern. Dazu gehören momentan insbesondere Tonscherben, die in den jetzigen Grabungsschichten gefunden werden; inzwischen ist man in etwa 1,15 Meter Tiefe unter dem letzten Fußboden auf gewachsenen Boden gestoßen.

Bereits in jüngerer Vergangenheit wurden Münzen und auch ein Flachdechsel, ein etwa 200 bis 300 Jahre altes Werkzeug, mit Hilfe eines Metallsuchgerätes entdeckt.

Eines steht jetzt aber endgültig fest: Der Glockenturm ist neueren Datums und wurde an das Kirchenschiff angebaut. Unklar ist allerdings noch, wie alt er genau ist.

Farbliche Veränderungen im Boden bringen es an den Tag: Mit dem Schaber arbeitet Uwe Ramsberg an dem Grab, in dem Sargspuren und menschliche Überreste gefunden wurden. Und wohl ungewollt haben die damaligen »Bauherren« mit der Entscheidung, der Kirche erst später auf dem direkt angrenzenden Außenfriedhof einen Turm zu spendieren, dem Gotteshaus »das Leben gerettet«. Denn im Laufe der Jahrhunderte ist der Turm um rund 20 Zentimeter abgesackt - und hätte vermutlich das Kirchenschiff mit »nach unten« gerissen, wenn beide Gebäude miteinander verbunden gewesen wären.

In Gräbern im Boden des Turmgeviertes wurden menschliche Überreste und auch Sargspuren gefunden. Dabei handelt es sich um farbliche Veränderungen im Boden, hervorgerufen durch Mineralien, die durch verwitterndes Holz freigesetzt wurden. Vollständige Skelette gibt es jedoch nicht mehr. Dies wird als Hinweis darauf gewertet, dass beim Bau des Kirchturmes auf dem Außenfriedhof mit den Gräbern bzw. menschlichen Überresten nicht besonders sorgfältig umgegangen wurde. Das Alter der Knochen soll nach der C-14-Methode bestimmt werden. Dieses wird dabei durch die im Knochen enthaltene kohlenstoffhaltige Materie ermittelt.

Mittlerweile wurde das etwa aus dem 17. Jahrhundert stammende Steinfundament für das Taufbecken, das etwa um 1650 datiert, freigelegt. Dabei wurden weitere Münzen gefunden auch eine Plombe; Leinenballen erhielte ein solches Gütesiegel früher als Nachweis für eine bestimmte Qualität. Das Alter der Plombe soll - wie das der Münzen - ebenfalls genau bestimmt werden.
Nach wie vor rätselt Ellger über ein rund 1,50 Meter tiefes Loch, das sich im Eingangsbereich des Gotteshauses quer durch die ganze Kirche zieht. Als einzige Erklärung bietet sich nach Ramsbergs Aussage derzeit an, dass es dazu dienen sollte, die Kirche unbrauchbar zu machen - möglicherweise im Zuge von kriegerischen Auseinandersetzungen.

Nach Abschluss der Grabungen wird die Kirche gesäubert und der Boden in einer Ebene auf das Niveau abgesenkt, von dem aus später der neue Fußboden aufgebaut werden soll. Wann das passieren wird, steht noch nicht fest. Uwe Ramsberg jedoch ist fest davon überzeugt: »Den Weihnachts-Festgottesdienst 2007 feiern wir wieder in der St. Ulricus-Kirche.« Entscheidend für den Fortgang der Sanierungsarbeiten sei, dass die dafür in Frage kommenden Gelder auch zügig bewilligt würden.