Presseartikel  
25. Januar 2007 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 21/2007

St. Ulricus soll »größer« werden

Pr. Oldendorf (WB/wm). Nach dem Abschluss der langwierigen Ausgrabungen in der mittelalterlichen Wehrkirche St. Ulricus soll das Gotteshaus im Pr. Oldendorfer Ortsteil Börninghausen jetzt saniert werden. Dabei stößt der Vorschlag von Architekt Bernhard Brüggemann (Braunschweig), das bisherige Bodenniveau im Innern wie auch außen um 55 Zentimeter abzusenken, nicht auf einhellige Zustimmung. Gegner fürchten um die dauerhafte Standsicherheit der Kirche. Demnächst ist der Denkmalausschuss in dieser Frage gefordert.
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St. Ulricus soll aus dem Boden wachsen
Experten diskutieren über Sanierung
Von Wilfried Mattner

Börninghausen (WB). Nach dem Abschluss der Ausgrabungen in der St. Ulricus-Kirche und der Zusage hoher Zuschüsse steht demnächst die Sanierung an. Doch die Meinungen, wie diese aussehen soll, driften auseinander.

Demnächst muss entschieden werden, wie St. Ulricus saniert werden soll. Foto: Wilfried Mattner In einer erweiterten Expertenrunde wurde jetzt versucht, eine einheitliche Linie in der Frage zu finden, wie der Innen- und Außenausbau umgesetzt werden könnte. Dazu trafen sich Vertreter der Kirchengemeinde, der Landeskirche und Dipl.-Ing. Bernhard Brüggemann aus Braunschweig als federführender Architekt - und erfahren in der Sanierung von Gotteshäusern. Er stellte seine Ideen vor, die jedoch nicht auf einhellige Zustimmung stießen, wie Uwe Ramsberg auf Anfrage der LÜBBECKER KREISZEITUNG bestätigte. Ramsberg ist bekanntlich Vorsitzender des Kirchbauvereins, der sich stark um die Finanzierung des teuren Erhaltungsprojektes bemüht, und war eineinhalb Jahre an den Ausgrabungen in St. Ulricus beteiligt. Er war zu dem Abstimmungsgespräch ebenfalls gebeten worden.

Während Kirchengemeinde und Landeskirche die Brüggemann-Vorstellungen akzeptiert hätten, habe er selbst noch dringenden Diskussionsbedarf mit Blick auf den Denkmalschutz, betonte Ramsberg gerade auch angesichts der Tatsache, dass sich die Stadt Pr. Oldendorf als Untere Denkmalbehörde in dieser Frage die entsprechend notwendigen Entscheidungen vorbehalten habe.

»Und da ich weiß, wie beispielsweise im Denkmalausschuss die Stimmung ist, sehe ich insbesondere bei der vorgeschlagenen Niveauabsenkung größte Schwierigkeiten«, erklärte Ramsberg. Der Architekt habe vorgeschlagen, das Innen- und Außenniveau um 55 Zentimeter gegenüber der Fußbodenhöhe abzusenken, wie sie bis 2004 bestand. Der engagierte Eggetaler: »Dann steht das Mauerwerk aber nur noch rund 25 Zentimeter tief in der Erde. Und da es kein Fundament gibt und die Mauern aus Bruchstein und Mörtel bestehen, ist ziemlich klar, dass dann schnell Wasser eindringen wird. Da Mauern in nur 25 Zentimeter tiefem Boden aber noch nicht frostgeschützt sind, sind negative Auswirkungen bei niedrigen Temperaturen nicht auszuschließen. Dazu, wie diese aussehen könnten und was man gegen eindringende Feuchtigkeit tun wolle oder könne, hat sich der Architekt leider nicht geäußert.«

Mit der Niveauabsenkung verbunden seien weitere Themen der anstehenden Sanierungsarbeiten, die noch geklärt werden müssten. Ramsberg tritt nach eineinhalb Jahren Mitarbeit bei den Ausgrabungen vehement dafür ein, »dass St. Ulricus auch noch in 50 Jahren, wenn die heutige Generation längst tot ist, noch sicher steht, und auch noch in 100 und 200 Jahren«. Deshalb sei er bereits gestern an die zuständige Abteilung der Stadtverwaltung herangetreten mit der Bitte, »auch als Untere Denkmalbehörde sehr genau darüber nachzudenken, wie die Sanierung umgesetzt werden soll«. Wobei er sich selbst als »kompromissbereit« bezeichnet, aber fordert, Kompromissvorschläge zu Ende zu denken.

Architekt Bernhard Brüggemann ist nach seinen Worten durchaus ein Fachmann auf seinem Gebiet. Man habe sich Kirchen angesehen, die er saniert und restauriert habe; sie hätten Charme, die Arbeit sei absolut einwandfrei. Doch jedes Gotteshaus habe seine eigene Vergangenheit. »Und die gilt es auch bei Sanierungen zu bewahren«, sagt Uwe Ramsberg unmissverständlich. Am Mittwoch, 14. Februar, wird sich der Haupt- und Finanzausschuss in seiner Eigenschaft als Denkmalausschuss mit der Kirchensanierung im Eggetal befassen.