Presseartikel  
16./17. Dezember 2006 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 292/2006


Hoffnungsvolles Zeichen für Ökumene
29. Adventsandacht in Börninghausen -feierlicher Schlusssegen in St. Ulricus gesprochen

Börninghausen (WB). Der ranghöchste Vertreter des Papstes in Deutschland, der Apostolische Nuntius Erzbischof Dr. Erwin Josef Ender, war prominenter Gast der 29. Adventsandacht in Börninghausen. Damit besuchte erstmals ein solch hoher katholischer Würdenträger eine evangelische Gemeinde.

Das Bild zeigt von links den katholischen Lübbecker Pfarrer Werner Rüsche, Nuntius Dr. Erwin Josef Ender und Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann. Fotos: Wilfried Mattner

Gelebte Ökumene: In St. Ulricus versammelten sich zahlreiche Gläubige (kleines Foto), sangen mit oben v.l. dem katholischen Lübbecker Pfarrer Werner Rüsche, Nuntius Dr. Erwin Josef Ender und Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann das Börninghauser Patronats- und Friedenslied und empfingen den feierlichen Schlusssegen. Fotos: Wilfried Mattner

In St. Ulricus versammelten sich zahlreiche Gläubige.Die im Gemeindehaus bereit gestellten Stühle und Bänke boten nicht allen Besuchern Platz; die Andacht wurde in ein Zelt übertragen, das vor dem Gebäude aufgestellt worden war. Die Verbindung zum Nuntius hatte Ortspfarrer beim Guss der ökumenischen Erlöser- und Friedensglocke im münsterländischen Gescher im März 2000 geknüpft. Er bezeichnete den Besuch als »große Ehre«, sprach von »tiefer Freude« und sah darin ein »hoffnungsvolles Zeichen für die Ökumene in Deutschland«. Dies quittierte die Gemeinde - sonst unüblich - mit Beifall. Beckmann betonte, dass seit 26 Jahren in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Börninghausen sonntags ein vollständiger Sakramentsgottesdienst gefeiert werde: »Ohne Sakramente fehlt etwas.« Und er bedauerte, dass die evangelische Kirche von Deutschland die Mitarbeit an einer gemeinsamen Bibelübersetzung aufgegeben habe: »Eine gemeinsame Bibelsprache ist Grundlage für Ökumene.«

In seiner Predigt dankte Erzbischof Dr. Erwin Josef Ender dafür, dass Beckmann ihn wiederholt zur ökumenischen Adventsandacht eingeladen habe. »Diese Initiative setzt um, wozu der verstorbene Papst Johannes Paul II. die Christen der verschiedenen Konfessionen aufgerufen hat.« Konfessionsübergreifend gebe es große Gestalten der Kirchengeschichte, die gezeigt hätten, wie Leben aus dem Glauben gelingen könne. Neben der Gottesmutter Maria nannte er u.a. den Apostel Paulus und Elisabeth von Thüringen. Die Adventszeit biete die Chance, »uns wieder neu unserer christlichen Berufung bewusst zu werden«.

Den feierlichen Schlusssegen sprach der Nuntius vor dem provisorisch hergerichteten Altar in der St. Ulricus-Kirche. Das war möglich, weil die Ausgrabungen mittlerweile abgeschlossen sind und der Boden mit Kies aufgefüllt wurde. Zuvor war die Gemeinde mit den Seelsorgern im Fackelschein in feierlicher Prozession vom Gemeindehaus ins Gotteshaus gezogen, wo die vereinigten Posaunenchöre Börninghausen, Oetinghausen und Sundern die Gläubigen musikalisch empfing und beim Gesang unterstützte.