Presseartikel  

18. Dezember 2006 - Wittlager Kreisblatt, Lokalausgabe der "Neue Osnabrücker Zeitung" Nr. 295/2006

Taufe verbindet die Christen
Von Joern Spreen-Ledebur

Büscherheide / Börninghausen.
Fackeln brennen auf dem Kirchplatz, dicht drängen sich Menschen im Inneren der mittelalterlichen St.-Ulricus-Kirche. Sie stehen auf Schotter, soll das Gotteshaus doch in den kommenden Monaten einen neuen Fußboden bekommen. Dennoch werden die Gläubigen diese ökumenische Adventsandacht so schnell nicht vergessen.

 
Ein großes Streichholz entzündet Friedrich Wilhelm Beckmann, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Börninghausen. Einer Gemeinde, zu der auch das niedersächsische Büscherheide gehört und das vor Jahrhunderten eng mit dem Bistum Osnabrück verbunden war. Das große Streichholz reicht Beckmann weiter an Dr. Erwin Josef Ender. Bender ist katholischer Erzbischof und der Apostolische Nuntius aus Berlin, der Stellvertreter von Papst Benedikt XVI. in Deutschland.

Ender entzündet die Kerze, wünscht der Sanierung von St. Ulricus alles Gute. Dass ein Apostolischer Nuntius in Deutschland in Börninghausen ist, das ist schon eine Besonderheit. Mehr noch: Der Besuch Benders im Eggetal ist nach Angaben von Pfarrer Beckmann der erste Besuch eines katholischen Nuntius in einer evangelischen Gemeinde. Möglich macht das die ökumenische Adventsandacht. Die hat seit 29 Jahren Tradition im Eggetal. Viele Bischöfe aus dem In- und Ausland sind in den vergangenen Jahren zu Gast im Eggetal gewesen. Die Visite des Nuntius ist eine Premiere.

Sie hat eine Vorgeschichte. Im März 2000 ließ die Kirchengemeinde Börninghausen in der Gießerei Petit & Gebrüder Edelbrock im münsterländischen Gescher die ökumenische Erlöser- und Friedensglocke gießen. Zeitgleich wurden zwei Glocken für eine katholische Kirche in Tallinn gegossen. In Tallinn war Ender zu der Zeit tätig; während des Glockengusses trafen sich Ender und Beckmann. "Christus ist unsere Versöhnung", zitiert Beckmann dabei das Motto des Nuntius. "Ein besseres Motto könnte kaum gewählt werden", sagt Beckmann, seit vielen Jahren ein Verfechter der Ökumene. Das Ursakrament der Taufe verbinde die Gläubigen in der Ökumene auf das Tiefste.

Nuntius Ender erinnert an einen Ausspruch von Papst Benedikt XVI. Demnach wolle der Mensch seine Existenz nicht von Gott erlangen. Er wolle die Welt mit eignen Händen formen und Gott gleich sein. Der Mensch wolle nicht auf die Liebe setzen, sondern auf die Macht, "die er in seine Hand nehmen möchte".

Die Aufgabe der Kirche sieht er in der Lobpreisung für Gottes Handeln; Maria ist aus seiner Sicht die "Erstvollendete". Sie sei eine Fürsprecherin für die Kirche und jeden einzelnen Menschen vor Gott. Christus habe ein Beispiel gesetzt, "dem wir nacheifern sollen". Die Adventszeit ist aus Sicht des Nuntius Dr. Erwin Josef Ender eine Zeit der Besinnung und Freude, die zur Umkehr einlädt. In diesen Wochen könne man sich neu der christlichen Berufung bewusst werden.