Presseartikel  
07. März 2007 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 56/2007


An Empore erhitzen sich die Gemüter
Streit bei Gemeindeversammlung in Börninghausen - Pfarrer und Presbyterium kritisiert
Von Wilfried Mattner

»Ortstermin« in St. Ulricus: Mit Gerüsten wurde hier die neue Fußbodenhöhe und eine neue Empore simuliert. Hartmut Krome (kleines Foto rechts) und Bernhard Brüggemann wollen Sanierung mit Denkmalschutz, aber keine Kirche als Museum. Fotos: Wilfried Mattner

Börninghausen (WB). Ein Riss geht durch die evanglisch - lutherische Kirchengemeinde Börninghausen. Grund ist die Zukunft der Empore. Gegen die völlige Demontage der zwei alten Holzkonstruktionen mit der Absicht, daraus eine neue große zu machen, gibt es massiven Widerstand. Andere dagegen sind mit dieser Lösung durchaus einverstanden. Die Gemeindeversammlung am Montagabend brachte keine Annäherung der Standpunkte.


Somit ist davon auszugehen, dass die Kirchengemeinde in absehbarer Zeit im Denkmalschutzausschuss den Antrag stellen wird, den Umbau der Empore so zuzulassen, dass auf die bisherige Nordempore verzichtet wird und stattdessen eine - dann größere - Westempore aufgestellt wird.

In der stark emotional gefärbten Gemeindeversammlung hatte Dipl.-Ing. Bernhard Brüggemann zunächst den Grund für die Kirchensanierung genannt -Baufälligkeit. Hinsichtlich der Empore verteidigte er den Beschluss des Presbyteriums, eine vier Meter tiefe Westempore aus dem Material der alten Empore mit der Brüstung aus 1684 zu bauen, um dringend benötigten Platz für Chöre und Besucher zu haben. Da sie höher werde als die bisherige und der Fußboden 40 Zentimeter abgesenkt werde, erhalte das Gotteshaus seine ursprünglichen Dimensionen wieder.

Das versuchte auch Dipl.-Ing. Hartmut Krome vom Landeskirchlichen Baureferat in Bielefeld dann in der Kirche selbst zu vermitteln. Dort wurde mit Gerüsten dargestellt, wie sich Empore und Fußboden einpassen könnten.
In der teilweise hitzigen Diskussion lehnten Redner wie Stadtheimatpfleger Dieter Besserer und Ratsmitglied Ernst-August Schrewe eine Veränderung der Empore rundheraus ab; sie sei als Denkmal eine Einheit. Schrewe ganz drastisch: »Für solchen Frevel habe ich kein Verständnis.« Auch die Kirche müsse sich an die Rechtslage halten, so wie dies von jedem Bürger erwartet werde.

Krome hielt dem entgegen, dass die jetzige Empore auch kein Original mehr sei. Mit der Verwendung alter Teile werde aber ein Zeitdokument gesichert; alles sei behördlich abgestimmt. Eine neue größere Empore biete auch die Chance, liturgische Veränderungen umsetzen zu können.

Angriffe auf Gemeindepfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann und das Presbyterium, dem »einsame Entscheidungen« ebenso vorgeworfen wurden wie »Druck« ausgeübt zu haben, nahm sein Amtskollege Oliver Peters aus Schloss Neuhaus zum Anlass, von einer »Abrechnung mit dem Stil von Beckmann« zu sprechen. Der Eggetaler Seelsorger leiste vorbildliche Arbeit: »Wenn Ihr nicht so einen Pastor hättet, sähe es hier zappenduster aus!«

Den ehemaligen Posaunenbläser Reinhold Brinkmeier störte, dass »nach Belieben« verfahren werden solle: »Bei der Renovierung in den 70er Jahren war keine Veränderung möglich, jetzt wird mit der Empore ganz anders verfahren.«

Volker Brinkmeier, der sein Ehrenamt als Presbyter wegen der geplanten Emporenveränderung niedergelegt hat, appellierte an Planer und Presbyterium, »bei diesem einzigen Streitpunkt nachzugeben, sonst bleibt ein Lager als Verlierer zurück«. Das aber ist kaum zu erwarten.