Presseartikel  
03/04. März 2007 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 53/2007


Aus Briefen an die Redaktion
»Ein geschickter Schachzug«

Zur Gemeindeversammlung anlässlich der weiteren Pläne zur Sanierung der St. Ulricus-Kirche in Börninghausen am Montag, 5. März.


»Vorstellungen zur Renovierung gab es in den letzten Monaten reichlich und unqualifiziert. Vom endgültigen Ausbau der Empore bis hin zum Verbleib in der bisherigen Form. Bei jedem Treffen der beteiligten Fachdienststellen wurde eine oder mehrere Varianten einer zukünftigen Gestaltung vorgestellt. Auf konkrete Fragen kam dann die Antwort »Das machen wir dann schon« oder »Das sehen wir später«.  »Nun liegt das Kind im Brunnen«, und die Gemeinde soll das Votum abgeben.

Nein, verantwortlich ist allein das Presbyterium. Dazu gehört sicher auch, sich grundlegendes Wissen um das zu Beschließende anzueignen. Wenn aber Mitglieder des Presbyteriums erklären, dass sie »ja so genau auch nicht um die Dinge Bescheid wüssten«, ist das mehr als bedauerlich. Und wenn ich dann in der Gemeinde höre, beim Ausbau der Empore sei aus der Mitte des Presbyteriums schon geäußert worden, sie, die Empore, komme sowieso nicht wieder in die Kirche, macht mich dies schon mehr als wütend. Wenn ich weiter zur Kenntnis nehmen muss, dass es zum Aufbrechen des alten Fußbodens in der jetzt durchgeführten Form überhaupt keinen Beschluss des Presbyteriums gibt, sondern nur ein kleines Loch direkt hinter der Eingangstür geöffnet werden sollte, genau so wie ein kleines Loch außen direkt im Bereich der Tür, frage ich mich, wozu die an den Ausgrabungen Beteiligten missbraucht worden sind.

Den Mitgliedern des Denkmalausschusses zu unterstellen, sie hätten keine Kompetenz zur Beurteilung der denkmalrechtlichen Belange um die Kirche, halte ich für mehr als vermessen. Ist es denn falsch, wenn ich behaupte, erst nach meinem sicher sehr massiven Einspruch am 23. Januar hat das Presbyterium am 30. Januar zur Kenntnis genommen, dass bei etwa 30 Gottesdiensten jährlich von weit mehr als 75 Besuchern ausgegangen werden muss? Dazu kommen Hochzeiten und goldene Hochzeiten, die durchaus auch im großen Rahmen stattfinden. Zu diesem Zeitpunkt, 23. Januar 2007, hatte der Architekt in seinem Gestaltungsvorschlag nur 72 Sitzplätze im Kirchenschiff vorgesehen! Ist es denn falsch, wenn ich anmahne, dass über die Begehbarkeit des Turmbereiches noch einmal nachgedacht werden sollte, weil eine Treppe oder auch nur eine Stufe eine Hürde darstellen? Ist es denn falsch, wenn ich anmahne, über die Tiefen in der Kirche noch einmal nachzudenken, weil, wenn man im Chorraum auf dem ursprünglichen Niveau bliebe, mit zwei Stufen in das Kirchenschiff gehen würde und die gefundene Taufe erhalten bleiben könnte? Und im Eingangsbereich noch eine Höhe hätte, die das alte Mauerwerk unberührt lassen könnte?

Nein, hier geht es wohl nicht um die Wiederherstellung einer renovierungsbedürftig gewordenen Kirche, sondern um die Durchsetzung eigener Denkweisen über Kirchbauten. Hier wird auf dem Altar der persönlichen Eitelkeit die Historie einer Kirchengemeinde unter dem Vorwand der Liturgie geopfert. Zeugnisse der Vergangenheit könnten erhalten bleiben, wenn der neue Fußboden im Chorraum auf demselben Niveau bliebe wie vor der Renovierung. Liturgisch begründbar ist nicht die Zerstörung aller Zeugnisse der Vergangenheit. Ich habe mich überreden lassen, den Vorsitz im Kirchbauverein zu übernehmen. Dies mache ich nun aus Überzeugung und Verpflichtung. Mein Standpunkt beruht weitestgehend auf vielen intensiven Gesprächen mit Gemeindemitgliedern. Die nun anberaumte Gemeindeversammlung zu einem Zeitpunkt durchzuführen, wo ich im Krankenhaus liege, ist ein geschickter Schachzug. Wieder ein Kritiker weniger, der sich zu Wort melden kann. Traurig, traurig.«

UWE RAMSBERG
32361 Pr. Oldendorf.

Hinweis: Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder.