Presseartikel  
07. März 2007 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 56/2007

Lokales: Presbyter-Rücktritt, Druck und Kritik im Eggetal

Alte Ansicht: Die Emporen soll es so nicht mehr geben, so Pfarrer Beckmann. FOTO:-SL-Pr. Oldendorf - Börninghausen. Ein neuer Standort für die Kanzel – damit können sich die Gläubigen abfinden. Auch die künftige Bodenhöhe im Inneren der Ulricus-Kirche geht in Ordnung. Eines allerdings sorgt für Streit in der Gemeinde. Was das ist, steht im Lokalteil.

Alte Ansicht: Die Emporen soll es so nicht mehr geben, so Pfarrer Beckmann.

 

 

Streit um eine Empore

Kritiker: Dieter Besserer will Emporen erhalten. FOTO: SPREEN-LEDEBURPr. Oldendorf - Börninghausen (-sl-). Architekt Bernd Brüggemann spricht von einer einmaligen Chance, die man nutze: Die St.-Ulricus-Kirche soll im Inneren die alten Raum-Proportionen zurückerhalten. Der Fußboden wird tiefer gelegt, der Chorraum wird in Zukunft etwas höher liegen. Auch die Kanzel soll an ihren angestammten Platz zurück kehren. Mit einem Beschluss des Presbyteriums können sich einige Gemeindeglieder allerdings nicht anfreunden und das machten sie am Montagabend während einer Gemeindeversammlung deutlich. Anders als vom Presbyterium beschlossen, wollen sie an den bisherigen Emporen festhalten und lehnen eine neue Empore ab. Den Einwand von Architekt Brüggemann und Hartmut Krome, dass man auf der bisherigen Tribüne an der Nordwand ohnehin kaum habe sitzen können, ließen sie nicht gelten. Der Zwist um die Empore ist Anlass des Streits, aber wohl nicht dessen Ursache.
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UNTEN: Dem Raum die alten Proportionen wiedergeben: Wie die Planungen aussehen, konnten die Gäste während eines Besuchs in der Ulricus-Kirche erleben. Mit Gerüsten und Planen wurden die geplante Empore und die Höhe des Fußbodens angedeutet. FOTOS: JOERN SPREEN-LEDEBUR

Dem Raum die alten Proportionen wiedergeben: Wie die Planungen aussehen, konnten die Gäste während eines Besuchs in der Ulricus-Kirche erleben. Mit Gerüsten und Planen wurden die geplante Empore und die Höhe des Fußbodens angedeutet. FOTOS: JOERN SPREEN-LEDEBUR

Informationen, Druck, Kritik
Gemeindeversammlung zur Kirchen-Gestaltung in Börninghausen
VON JOERN SPREEN-LEDEBUR

Pr. Oldendorf - Börninghausen. Für die neue Empore sollen Teile der alten historischen Tribünen verwendet werden: Die Ankündigung von Architekt Bernd Brüggemann konnte die Gemüter einiger Gäste während der Gemeindeversammlung nicht beruhigen. Am Rande der Versammlung wurde bekannt, dass inzwischen ein Presbyter von seinem Amt zurück getreten ist.

Hartmut Krome vom Landeskirchenamt und Bernd Brüggemann als leitender Architekt stellten die Planungen für die künftige Gestaltung des Inneren von St. Ulricus vor. Der Fußboden des Langhauses wird tiefer gelegt, zwei Stufen führen hinauf in den Chorraum. Zum Raum im Turm führt eine Stufe. Gottesdienst-Besucher im Turmraum hätten freie Sicht auf den Altarraum, der Pfarrer sei im Chorraum gut zu sehen und zu verstehen. Die während der Grabungen gefundenen Fundamente einer alten Taufe sollen wieder bedeckt, durch die Verlegung der Bodenplatten aber angedeutet werden. Auch Fundamentreste am Übergang zum Chor sollen zwar bedeckt, aber nicht zerstört werden. Die Kanzel wird verlegt – und zwar heraus aus dem Chorraum wieder zurück ins Langhaus. Dort habe sie auch bis zur letzten Kirchenrenovierung gestanden, so Brüggemann. Die jetzigen Emporen sollen laut Presbyteriums-Beschluss durch eine neue ersetzt werden. „Der Raum bekommt die alten Proportionen zurück“, so Brüggemann. „Das war eine einmalige Chance. Die haben wir genutzt.“

Die Empore an der Nordseite des Langhauses stamme aus dem Jahr 1684 und gehöre zur Kirche, sagte Stadtheimatpfleger Dieter Besserer. Ein Denkmal wie St. Ulricus bilde eine Einheit und da könne man nicht einfach ein Teil herausnehmen. Dem widersprach Hartmut Krome vom Landeskirchenamt. Die Empore werde nicht komplett entfernt; die historische Brüstung bleibe in der Kirche. Außerdem bedeute Denkmalschutz auch aus Sicht des zuständigen Ministeriums nicht die Unveränderbarkeit; das Amt für Denkmalpflege habe den Plänen des Presbyteriums zugestimmt.

„Die Kirche ist kein Staat im Staat“, konterte Besserer. Rechte und Pflichten würden auch für sie gelten. Wenn liturgische Gesichtspunkte eine Rolle spielten, dann könne man das Gotteshaus auch abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Besserers Kritik teilte Ernst-August Schrewe, der den Beschluss des Presbyteriums im „stillen Kämmerlein“ monierte und die Emporen-Pläne als Frevel bezeichnete. „Es soll so bleiben wie es ist.“

Verteidigen Emporen-Umbau: Die historische Brüstung bleibe in der Kirche, sagten Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann, Hartmut Krome vom Landeskirchenamt und Architekt Bernd Brüggemann (v. l.).Die Kritik an den Emporen-Plänen scheint ein Anlass für den Streit in der Gemeinde zu sein, die Ursache könnte eine andere sein. „Ich sage es in aller Öffentlichkeit: Pfarrer Beckmann hat versucht, mich unter Druck zu setzen“, erklärte Marita Ramsberg, Frau des Kirchbauvereins-Vorsitzenden Uwe Ramsberg. Ihr Mann habe den Vorsitz nicht übernehmen wollen; sie sei auch dagegen gewesen. Beckmann habe dann gefragt, ob sie es verantworten könne, wenn es keinen Vorsitzenden gebe. „Wenn einer unter Druck gesetzt wurde, dann Pfarrer Beckmann und das Presbyterium“, widersprach energisch Presbyterin Waltraut Ewert. Ramsberg sei gewählt worden und habe die Wahl angenommen.

Auf einer neuen Empore könne ein Chor besser arbeiten, sagte Reinhold Bekemeier. Ihn störe aber die Beliebigkeit, nach der entschieden werde.

Kirche sei keine Demokratie, denn das bedeute Volksherrschaft, hielt Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann dagegen. Die Kirche sei aber das Reich Gottes. „Christus hat Gott auch nicht gefragt, ob die Kreuzigung mehrheitsfähig ist.“ Beckmann verwahrte sich gegen Unterstellungen, er wolle Gottesdienst mit Glanz und Gloria feiern. „Meine Aufgabe ist die Verkündigung des Wortes Gottes.“ Zum Glück sei ihm sein Mandat nicht von Teilen der Gemeinde gegeben worden. „Die Animositäten, die sich hier auftun, sind einer christlichen Gemeinde unwürdig.“ Wenn er aus den Reihen des städtischen Denkmal-Ausschusses höre, dass für den Fall des Einbaus einer neuen Empore künftige Anträge der Gemeinde im Rathaus abgelehnt würden, dann sei das schade. In dieser Richtung sei Druck von Ernst-August Schrewe ausgeübt worden, sagte Presbyter Volker Vortmeier. Das werfe ein schlechtes Licht auf den Rat, kommentierte Christian von Haugwitz.

„Ich habe den Eindruck, als ob hier mit Pfarrer Beckmann und seinem Amtsstil abgerechnet werden soll“, sagte der Paderborner Pfarrer und Kirchbauvereins-Mitglied Oliver Peters. „Liebe Christen: Wenn ihr keinen Pfarrer wie Beckmann hättet, dann wäre es hier zappenduster.“
Siehe Kommentar

DA WAR NOCH WAS
Zwist in der Kirchengemeinde Börninghausen - Es geht um mehr als eine Empore
KOMMENTAR VON JOERN SPREEN-LEDEBUR

Joern Spreen-LedeburEs herrscht Streit in der Kirchengemeinde Börninghausen. Streit, der sich augenscheinlich an einigen wenigen Quadratmetern Holz entzündet. Holz, aus dem die Empore an der Nordwand von St. Ulricus besteht. Es wird davon gesprochen, dass Druck unter Gemeindegliedern ausgeübt wird. Von versteckten Drohungen in Richtung des Presbyteriums ist die Rede. Das ist einer christlichen Gemeinde unwürdig.

Unverständlich eine andere Aussage: Fehle die Empore, dann sei der Denkmalschutz für die gesamte Kirche in Frage gestellt – die Kirche könne dann gleich abgerissen und durch einen Neubau nach heutigen liturgischen Anforderungen ersetzt werden. Das ist so absurd wie eine Ansicht, Köln sei eine römische Gründung und deshalb müsse das Zentrum komplett abgerissen und wie zu römischen Zeiten aufgebaut werden. Abgesehen davon: Wie Emporen die Raumwirkung eines Gotteshauses zerstören können, lässt sich in Levern betrachten.

In Börninghausen scheint die Empore aber nur Anlass zu sein, nicht Ursache. Natürlich kann man über die Amtsführung eines Pfarrers ebenso streiten wie über die Leistung eines Fußballers, eines Beamten oder Politikers. Aber die Frage muss erlaubt sein, was denn aus der Kirchengemeinde ohne den amtierenden Pfarrer geworden wäre. Und stünde die Ulricus-Kirche heute noch oder wäre sie mitsamt der Empore wegen Baufälligkeit und mangels Sponsorengeldern schon eingestürzt?

Die Probleme in der Kirche sind ohnehin groß genug und die lassen sich nur gemeinsam lösen. Ein Gegeneinander hilft da nicht. Das Letzte, was eine Gemeinde derzeit brauchen kann, ist Streit. Erst recht keinen Streit um ein paar Quadratmeter Holz.