Presseartikel  
05. März 2007 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 54/2007

Briefe an die Lokalredaktion
„Altar der persönlichen Eitelkeiten“

Pr. Oldendorf - Börninghausen. In einer Gemeindeversammlung sollen heute die endgültigen Pläne der Kirchenrenovierung in Börninghausen vorgestellt werden. Dazu folgende Zuschrift:

Nun wird zu einer Gemeindeversammlung eingeladen, (ein ausgesuchter Personenkreis mit Einladung) um die neue, angedachte Planung zur weiteren Renovierung der Kirche vorzustellen. Vorstellungen zur Renovierung gab es in den letzten Monaten reichlich und unqualifiziert. . .

In jeder Zusammenkunft der an der Renovierung beteiligten Fachdienststellen wurden eine oder mehrere Varianten einer zukünftigen Gestaltung vorgestellt. Auf konkrete Fragen kam dann die Antwort: ’Das machen wir dann schon, oder das sehen wir später’...

Nein, verantwortlich ist allein das Presbyterium. Es ist nach dem Verständnis des Kirchenrechts die autorisierte Leitung der Kirchengemeinde. Aber dazu gehört sicher mehr, als nur dazu sein und gespannt zuzuhören.

„Mehr als bedauerlich“

Es gehört sicher auch dazu, sich grundlegendes Wissen um das zu Beschließende anzueignen. Wenn aber Mitglieder des Presbyteriums erklären: „Ja, so genau wüsste man ja auch nicht um die Dinge Bescheid“, ist das mehr als bedauerlich.

Und wenn ich dann in der Gemeinde höre, beim Ausbau der Empore sei, aus der Mitte des Presbyteriums, schon geäußert worden, sie, die Empore, komme sowieso nicht wieder in die Kirche, macht mich dies schon mehr als wütend. Wenn ich weiter zur Kenntnis nehmen muss, dass es zum Aufbrechen des alten Fußbodens in der jetzt durchgeführten Form überhaupt keinen Beschluss des Presbyteriums gibt . . ., frage ich mich, zu was sind die an den Ausgrabungen Beteiligten missbraucht worden. Den Mitgliedern des Denkmalausschusses zu unterstellen, sie hätten keine Kompetenz zur Beurteilung der denkmalrechtlichen Belange um die Kirche halte ich für mehr als vermessen.

Ist es denn falsch, wenn ich behaupte, erst nach meinem sicher sehr massiven Einspruch am 23. Januar hat das Presbyterium am 30. Januar zur Kenntnis genommen, dass bei ca. 30 Gottesdiensten jährlich von weit mehr als 75 Besuchern ausgegangen werden muss?  Dazu kommen Hochzeiten und goldene Hochzeiten, die durchaus auch im großen Rahmen stattfinden. Zu diesem Zeitpunkt, 23. Januar 2007, hatte der Architekt in seinem Gestaltungsvorschlag nur 72 Sitzplätze im Kirchenschiff vorgesehen!

Ist es denn falsch, wenn ich anmahne, dass über die Begehbarkeit des Turmbereiches noch einmal nachgedacht werden sollte, weil eine Treppe (oder auch nur eine Stufe) in den Turmbereich vom Kirchenschiff aus nur Beschwerlichkeiten für eine spätere Nutzung mit sich bringt?

Ist es denn falsch, wenn ich anmahne, über die Tiefen in der Kirche noch einmal nachzudenken, weil, wenn man im Chorraum auf dem ursprünglichen Niveau bliebe, mit zwei Stufen in das Kirchenschiff gehen würde und die gefundene Taufe erhalten bleiben könnte unter dem fertig verlegten Fußboden?. . .

Nein, hier geht es wohl nicht um eine Wiederherstellung einer renovierungsbedürftig gewordenen Kirche, sondern um die Durchsetzung von eigenen Denkweisen über Kirchbauten. Hier wird auf dem Altar der persönlichen Eitelkeit die Historie einer Kirchengemeinde mit dem Vorwand der Liturgie geopfert.

Zeugnisse der Vergangenheit könnten erhalten bleiben, wenn der neue Fußboden im Chorraum auf demselben Niveau bliebe, wie vor der Renovierung. Liturgisch begründbar ist nicht die Zerstörung aller Zeugnisse der Vergangenheit.

Um dies recht deutlich zu schreiben: Ich habe mich überreden lassen, den Vorsitz im Kirchbauverein zu übernehmen. Dies mache ich nun aus Überzeugung und Verpflichtung. Mein Standpunkt beruht weitestgehend auf vielen intensiven Gesprächen mit Gemeindemitgliedern.

Zur Renovierung gibt es sicher eine sehr breit gefächerte Meinung. Die Entscheidungen bis auf den letzten Tag hinaus zu schieben, ist traurig (seit dem Oktober 2006 standen die meisten der wesentlichen Faktoren fest).

Die nun anberaumte Gemeindeversammlung zu einem Zeitpunkt durchzuführen, wo ich im Krankenhaus liege, ist ein geschickter Schachzug. Wieder ein Kritiker weniger, der sich zu Wort melden kann. Traurig, Traurig.

Uwe Ramsberg
32361 Pr. Oldendorf

Hinweis: Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder.