Presseartikel  
25. April 2007 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 96/2007


Beschluss: Beide Emporen erhalten
Denkmalschutz ist nicht beliebig

Pr. Oldendorf (wm). Die Entscheidung war eindeutig: Der Haupt- und Finanzausschuss hat allen Absichten zur Veränderung der Empore in der St. Ulricus-Kirche eine klare Absage erteilt.

Auf dem Tisch lag der von Dipl.-Ing. Bernhard Brüggemann für die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde formulierte Antrag, wonach die bisherige Nordempore zu Gunsten einer größeren Westempore aufgegeben werden sollte. Die denkmalwerten Teile der bisherigen Emporen sollten in der Brüstung der größeren Westempore und als Emporenrückwand, als Wandpaneel, verwendet werden (die LK berichtete mehrfach). Zusätzlich hatte der Architekt um Erlaubnis dafür gebeten, den früheren Heizungskeller unter dem bestehenden Nordaufgang der Empore mit einer Innentür zu öffnen, um dort eine Küstersakristei einrichten zu können.

Nachdem dafür bereits das Westfälische Amt für Denkmalpflege Bedenken geäußert hatte, verweigerte auch der Ausschuss die erforderliche denkmalrechtliche Erlaubnis. Und das galt auch für die »Zerlegung« der Empore.

Insbesondere Uwe Ramsberg (SPD) übte harsche Kritik an dem Vorhaben, aus zwei Emporen eine zu machen. Kein Presbyterium in der Geschichte der Kirche habe es zuvor gewagt, das Gotteshaus in »schlechter Weise« zu verändern. Die finanzielle Förderung der Sanierung diene der Erhaltung, nicht der Zerstörung des Denkmals St. Ulricus. »Mit dieser Kirchensanierung ist der Architekt überfordert. Hier wird versucht, eigene Ideen beliebig umzusetzen. Das kann man auch mit Stümperhaftigkeit, Dreistigkeit und Einfältigkeit bezeichnen«, hielt Ramsberg seine Empörung nur mühsam zurück.

Stadtheimatpfleger Dieter Besserer empfahl ebenfalls, den Kirchenantrag abzulehnen. Die Emporen seien zwingender Bestandteil des Denkmals Kirche und von sozialgeschichtlicher Bedeutung. Ernst-August Schrewe (CDU) schloss sich dem an: »Wenn wir von jedem Privatmann verlangen, dass er sich an Denkmalschutzauflagen hält, darf das hier nicht anders sein. Sonst bekommen wir ein riesiges Problem.« Auch Hannelore Lösche (Grüne) meinte, dass keine Notwendigkeit bestehe, eine bewährte Empore zu ändern. Nicht alles technisch Machbare müsse auch getan werden.

Lediglich die FWG, die sich bei der Abstimmung enthielt, zeigte Verständnis für die Wünsche der Kirchengemeinde. »Wenn die Kirche jetzt erneuert wird, gehört auch die Empore dazu. Man muss nicht jedes Brett wieder einbauen«, sagte Horst Röscher.

Wie die Gemeinde auf diese Ablehnung reagiert, stand gestern noch nicht fest. »Kein Kommentar«, hieß es von Pfarrer Beckmann. Man werde die schriftliche Entscheidung abwarten und dann in aller Ruhe diskutieren.