Presseartikel  
10. Mai 2007 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 108/2007


Leserbriefe an die Lokal-Redaktion
»Das Gotteshaus würdig gestalten«

Zum Streit um die Erhaltung bzw. Veränderung der Empore in der St. Ulricus-Kirche:

»Ein Gotteshaus ist, wie schon der Name besagt, zum Dienst Gottes erbaut und bestimmt. Es ist ein Ort der Einkehr, des Lobens und Dankens, der Besinnung. Jesus sagt: Mein Haus soll ein Bethaus sein. Darum sollte es auch immer geöffnet sein, damit man Einkehr halten kann. Und es sollte auch ein Haus sein, in dem man sich wohl fühlt, das nicht kalt und unbenutzt wirkt, sondern bewohnt. Das in seiner Gestaltung zur Andacht anregt. Es darf aber auch schön sein.

Wir bestaunen mit Recht, wie liebevoll unsere Vorfahren ihre Kirchen gebaut haben. Sie sind steinerne Glaubenszeugnisse. Dabei haben sie sehr wohl auf die rechten Raumverhältnisse geachtet und ihre Wirkung. Wichtig war dabei der freie Durchblick auf Altar und Kanzel als den Hauptbeziehungspunkten der Kirche und des Gottesdienstes.

Anfang des 16. Jahrhunderts, in der Reformationszeit, kam es dann in den evangelischen Kirchen zu Einbauten, so genannten Emporen, auf denen zusätzliche Sitzplätze geschaffen wurden, weil dazu Bedarf bestand. Allerdings stellte dies eine Not- und Verlegenheitslösung dar, weil sie den Kirchenraum einengten und meist auch Kirchenfenster verbauten, wie in St. Ulricus störend in den Kirchraum hineinragten. Heute aber werden sie oft abgebaut, weil dafür kein Bedarf mehr besteht. Die Sitzplätze reichen aus. Falls dennoch Bedarf bestehen sollte, könnte man zusätzlich Stühle aufstellen.

Wenn es um Erhaltung und Pflege des Gotteshauses geht, dann ist doch vor allem seine eigentliche Bestimmung gefragt als Ort, wo die Gemeinde zum Gottesdienst zusammen kommt. Der aber soll zum Lob und Ehre Gottes und zur Freude der Gemeinde festlich ausgestaltet werden. Dazu bedarf es aber auch immer wieder mitwirkender Gemeindeglieder in Gesang- und Posaunenchor, für die dann auch der notwendige Raum vorhanden sein muss.

Die alte Nordempore in St. Ulricus ist dazu nicht geeignet, sie ist zu schmal, bietet zu wenig Platz, wie auch Bläser des Posaunenchores bestätigt haben, die mit ihren Köpfen an das Deckengewölbe gestoßen sind. Die vorhandene Westempore aber war ebenfalls zu klein und verdeckte sogar teilweise den Gewölbebogen. Darum wurde vom Architekten vorgeschlagen, mit dem vorhandenen Material der abgebauten Nordempore eine größere Westempore zu schaffen. Damit würden 40 Plätze gewonnen. Diese Empore soll so eingebaut werden, dass der westliche Gewölbebogen nicht beeinträchtigt wird. Der Vorteil wäre neben dem Platzgewinn eine befreiende Raumwirkung. Das gilt auch für die Plätze unter der Nordempore, die sehr bedrückend und verdunkelnd auf die Sitzreihen unter ihr wirkte.

Diese Maßnahmen würden den Kirchenraum nicht verschlechtern oder gar zerstören, sondern im Gegenteil verschönern, zumal sie die ursprünglichen Raumverhältnisse wieder herstellten. Das raten und planen nicht »naive Stümper«, sondern hochqualifizierte Fachleute, die im Dienst der Kirche stehen und im Einvernehmen mit dem zuständigen Pfarrer und dem Presbyterium von St. Ulricus tätig sind; sie können doch wohl am besten beurteilen, was in der Kirche für den Gottesdienst benötigt wird. Wer unvoreingenommen den Kirchenraum betrachtet und auf sich wirken lässt, wird gewiss eingestehen, dass durch den Abbau der Empore nichts zerstört, sondern die Raumwirkung wiederhergestellt, ja verbessert und verschönert wird.

Bedenken wir doch bitte: Es geht um das Gotteshaus, um seine würdige Gestaltung für den Gottesdienst und nicht um Erhaltung eines zwischenzeitlich eingebauten Reliktes der Vergangenheit, das heute seine Funktion verloren hat und dazu noch hässlich ist, die Empore, an der sich alles entscheiden muss. Die Kirche ist nicht dazu geeignet, um als Waffe instrumentalisiert zu werden gegen etwas oder gegen jemand. Für Bewältigung der entstandenen Probleme bedarf es keiner bürokratischen oder Kampfbeschlüsse, sondern verständnisvoller Zusammenarbeit. Wie heißt es doch im sonntäglichen Lobpreis des Gottesdienstes? Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen, an denen Gott Sein Wohlgefallen hat. Sein Wohlgefallen gilt dem Frieden und nicht dem Kampf!«

Pfarrer in Ruhe
ARMIN SCHMIEDEBERG
32361 PR. OLDENDORF

»Distanzieren uns ausdrücklich«

»Am 23. April hat im Rathaus in Pr. Oldendorf eine öffentliche Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses als Denkmalausschuss der Stadt Pr. Oldendorf stattgefunden, an der einige Eggetaler Bürger teilgenommen haben. Die Presse hat darüber berichtet.

In dieser Sitzung hat Uwe Ramsberg als Ratsmitglied - er ist auch Vorsitzender des Börninghauser Kirchbauvereins - das Presbyterium Börninghausen sowie den Architekten, Dipl.-Ing. Brüggemann, der mit der Renovierung der Börninghauser Kirche befasst ist, scharf angegriffen. Wir als Mitglieder des Vorstandes des Kirchbauvereins möchten uns davon ausdrücklich distanzieren. Zu diesem Schritt haben wir uns entschlossen, da wir mehrfach aus der Gemeinde und von außerhalb angesprochen wurden, ob wir mit den Ansichten des Vorsitzenden des Kirchbauvereins übereinstimmen. Unsere Meinung stimmt in keiner Weise mit der des Herrn Uwe Ramsberg überein.«

Für weitere fünf Vorstandsmitglieder:
Geschäftsführer
KLAUS PFANNENSCHMIDT
32361 PR. OLDENDORF

Hinweis: Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder.