Presseartikel  
14./15. April 2007 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 87/2007


Empore bleibt ein Zankapfel
Jetzt ist die Politik am Zuge

Börninghausen (WB/wm). Nach der ausgesprochen kontrovers und emotional geführten Diskussion über die Umsetzung des Denkmalschutzes an und in der St. Ulricus-Kirche wird es nun politisch: Demnächst beschäftigt sich der Haupt- und Finanzausschuss mit diesem Thema.

Auf dem Tisch liegt am Montag, 23. April, eine Liste der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, mit der denkmalrechtliche Erlaubnisse beantragt werden. An erster Stelle geht es um den Verzicht auf die Nordempore zu Gunsten einer größeren Westempore. Gerade dieser Punkt war bei der Gemeindeversammlung am 5. März mit großer Leidenschaft diskutiert worden. Wobei deutlich geworden war, dass es sowohl Befürworter dieser Lösung als auch harte Gegner gibt. Insbesondere in der Absicht, alle denkmalwerten Teile der bisherigen Emporen in der Brüstung der Westempore sowie als Rückwand (Wandpaneel) wieder zu verwenden, sehen Kritiker die Zerstörung eines Denkmals.

Ob dieser Antrag der Kirchengemeinde »durchgeht«, ist nach dem Beschlussvorschlag der Verwaltung allerdings mehr als zweifelhaft. Denn danach ist ein »Nein« zu erwarten, womit der Ausschuss bei seiner Entscheidung vom 14. Februar bliebe. Ein anderer Einbau als vor Beginn der Kirchenrenovierung war ausdrücklich untersagt worden.

Beantragt wird auch die Zustimmung zu einer großflächigen Absenkung des Außenniveaus auf das Niveau des Kirchenschiffes im Bereich des Zuganges von der Straße zum Kircheneingang. Dieses Vorhaben muss nach Meinung der Verwaltung noch konkretisiert werden, da der Begriff einer »großflächigen« Abgrabung zu unbestimmt sei. Eine Entscheidung soll zurückgestellt werden, bis ein überarbeiteter Antrag vorliegt. Dazu gehöre speziell das Nivellierungsergebnis des Architekten.

Neu auf dem »Wunschzettel« der Kirchengemeinde ist die Einrichtung einer Küstersakristei, die als Abstellraum für viele liturgische Gegenstände dienen soll. Dazu soll der frühere Heizungskeller unter dem bestehenden Nordaufgang der Empore hergerichtet werden, wozu allerdings der Einbau einer schmalen Innentür im Nordwesten des Kirchenschiffes erforderlich ist. Die Verwaltung schlägt vor, die notwendige denkmalrechtliche Erlaubnis zu erteilen vorbehaltlich der Zustimmung des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege.

Und auch das Vorziehen der Kanzel bis vor den Torbogen bei Verringerung der Zahl der Kirchenbänke dürfte kein Problem sein, da der Ausschuss dies schon im Februar genehmigt hatte. Allerdings soll zur Auflage gemacht werden, dass an den Holzteilen keine bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Die Ausschusssitzung, in der es auch um das Verbrennen von pflanzlichen Abfällen geht, beginnt um 17 Uhr im Rathaussaal.


St. Ulricus-Kirche in Börninghausen (Fotos: Wilfried Mattner)

Was ist alles erlaubt bei der Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes wie der St. Ulricus-Kirche in Börninghausen? Mit dieser Frage befasst sich demnächst der Haupt- und Finanzausschuss und wird sich insbesondere dem strittigen Thema Empore widmen. Aus den Teilen der Nord- und Westempore, die derzeit eingelagert sind (kleines Foto), soll nach dem Willen der Kirchengemeinde eine neue größere Westempore gefertigt werden. Dagegen gibt es massiven Widerstand. Fotos: Wilfried Mattner