Unsere Kirche  
   
 

Kirchgründung

Die St.-Ulricus-Kirche ist eines der schönsten sakralen Bauwerke, nicht nur in der Stadt Preußisch Oldendorf und im Lübbecker Land. Die Gründung der Kirche erfolgte nach heutigem Kenntnisstand zwischen 1220 und 1237. Gegründet wurde die Kirche als Patronatskirche des hochadligen Hauses von Stromberg/Rüdenberg von Bischof Konrad von Rüdenberg, von 1209 bis 1237 Bischof in Minden. In Zusammenhang mit der Translation von Reliquien des hl. Bischofs Ulrich von Augsburg an das Mindener Kollegialstift St. Martini, die im Zeitraum von 1188 bis 1195 erfolgte, gelangten später Teile dieser Reliquien über den Probst von St. Martini, Werner von Rüdenberg (1220 - 1252), ein Neffe des Bischofs Konrad von Rüdenberg, für die Kirchgründung nach Börninghausen. Der heilige Ulrich, wurde 890 geboren und war von 923 bis zu seinem Tode am 4. Juli 973 Bischof von Augsburg. Als vorbildlicher Bischof und Kirchenlehrer, für dessen Leben Gottesliebe und Nächstenliebe bestimmend waren, ist er in die Geschichte eingegangen und als erster in der Kirchengeschichte in förmlicher Kanonisation 993 von Papst Johannes XV. heilig gesprochen worden. Wenn unsere Vorfahren hier im Eggetal das altehrwürdige Gotteshaus gerade ihm als Patron widmeten, dann wird daran deutlich, dass jeder, der diese Kirche betritt, ein glaubwürdiger Zeuge des Evangeliums in der Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus sein möge – wie der Kirchenpatron St. Ulricus. Der alte Name »St.-Ulricus-Kirche« wurde der Börninghauser Kirche übrigens erst am 4. Mai 1975 wieder offiziell verliehen, als die Kirche nach gründlicher Renovierung durch Präses Dr. Hans Thimme wieder eingeweiht wurde.

St.-Ulricus-Kirche um 1970

Grundriß der Kirche St. Ulricus zu 
          Börninghausen

Baugeschichte der Kirche

Der romanische Wehrturm [A] und der heutige Chorraum mit Orgel [C], sind die ältesten Teile der St.-Ulricus-Kirche. Dieser romanische Teil der Kirche, erkennbar an den Fenstern, war der ursprüngliche Kirchbau des 13. Jahrhunderts. Der heutige Chorraum war früher eine eigenständige, freistehende spätromanische »Kapelle«. Der romanische Turm [A] wird älter eingestuft, als die wenige Meter von ihm errichtete kleine Patronatskirche (Kapelle). Er wurde vermutlich bereits im 12. Jahrhundert erbaut. Beide Teile wurden erst später durch das Mittelschiff [B] verbunden. Bei dem vermuteten Brand von 1430 wurde das Mittelschiff zerstört und 1463 im gotischen Stil wieder aufgebaut. In ihren Abmessungen (Gesamtlänge 31 m, Gesamtbreite 9 m) ist die Kirche heute kaum von den Dorfkirchen in anderen Orten zu unterscheiden. Gerade jedoch das rein zweckbestimmte schmucklose Äußere der Börninghauser Kirche gibt dem Gesamtbauwerk eine gefühlvolle Ruhe und Erhabenheit, wie sie anderswo selten zu finden ist.

Altar und Sepulcrum

Bischof Konrad von Minden wird wahrscheinlich die Familienkirche seines hochadeligen Hauses persönlich dem hl. Bischof Ulrich geweiht haben. Hiervon zeugen noch die in der Altarplatte eingemeißelten fünf Weihekreuze und das Sepulcrum. Darunter ist das Altargrab zu verstehen, worin der Bischof die Reliquien des heiligen Bischofs Ulrich von Augsburg zur dauernden Aufbewahrung niederlegte. 1671 wurden barocke Altarschranken angebracht. Über dem Altar ist eine Predella mit den vier Evangelisten zu sehen, die wahrscheinlich aus einer anderen Kirche stammt. Die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sind mit den Attributen Engel, Löwe, Stier und Adler dargestellt.

Wandmalereinen der Kirche

Eine besondere Kostbarkeit der Kirche ist der gut erhaltene, aber nicht mehr ganz vollständige Apostel- und Heiligenfries im Chorraum. Bei Renovierungsarbeiten von 1951 - 1953 kamen an der Südwand des Chorraumes drei lebensgroße Heiligenfiguren zum Vorschein. Die drei Figuren stehen auf einem breiten hellbraun gemalten Sockelstreifen. Die Darstellungen zeigen

  • die hl. Märtyrerin Margareta von Antiochia mit rotem Gewand, blaugrünem Mantel, Krone und Kreuzstab,
  • mit dem Drachen kämpfend, in der Mitte von Pfeilen durchbohrt den hl. Märtyrer Sebastian und
  • in bischöflichen Gewändern mit Mitra den hl. Ulricus, der Patron der Kirche.

Das nicht mehr ganz vollständige Apostelfries wurde bei den Restaurierungen von 1951 - 1953 und 1973 – 1975 freigelegt. Deutlich erkennbar sind an der Nordseite des Chorraumes anhand ihrer Attribute die Apostel Petrus, Paulus, Andreas und Jakobus. Ein weiterer Apostel ist nicht mehr zu erkennen. Eine an der Ostwand neben der Orgelprieche (Empore) befindliche Apostelfigur ist gleichfalls nicht mehr zu erkennen. An der Südseite sind zwei nicht näher feststellbare Apostel zu sehen und als letzter neben ihnen der hl. Matthäus, erkennbar an der geschulterten Axt. Aus der Gesamtanordnung der Figuren ist zu schließen, dass es sich hier um einen vollständigen Apostelfries am dem Wandseiten des Altarraumes gehandelt haben muss. Damit die Fresken besser zur Geltung kommen wurde bei der Kirchenrenovierung 1973 - 1975 die Fiegenburg-Prieche (Empore), die sich an der Nordseite des Chorraumes befand, entfernt.
[ Bilder der Wandfresken ]

Sakramentshaus mit Abendmahlsgeräten und Altarkreuz

Hinter der Gittertür im nördlichen Chorraum befindet sich ein Sakramentshäuschen aus der früheren katholischen Zeit, das zur Aufbewahrung der geweihten Hostien diente. Heute sind hier die alten, wertvollen Abendmahlsgeräte untergebracht. Der älteste Kelch, eine wertvolle Goldarbeit, trägt im Fuß die Jahreszahl 1650. Die Inschrift der Embleme des Kelchfußes sind inzwischen teilweise abgegriffen. Deutlich erkennbar ist aber die Inschrift

»Hieronymus Fiselmeyer Obristenleutnandt in honorem Dei ex sui Memoriam Ecclesiae Patriae dedit Anno 1650«.


Eine andere Gravur zeigt das alte Börninghauser Siegelbild: Kreuz mit Anker sowie Brot und Fisch. Das damalige Gemeindemitglied, Hieronymus Fiselmeyer, stifte den wertvollen Abendmahlskelch seiner Heimatkirche. Dies geschah als Dank dafür, dass er aus dem grauenvollen 30-jährigen Krieg, der zwei Jahre zuvor zu Ende gegangen war, lebend entkommen war. Der Kelch wurde 1998 fachgerecht restauriert und neu vergoldet.

Gleichzeitig wurde das Altarkreuz der Börninghauser Kirche restauriert. Die Kreuzesbalken wurden versilbert und der Corpus vergoldet. Das Altarkreuz ist ein neuromanisches Kreuz und stammt aus einer süddeutschen Werkstatt, wo es ca. nach 1900 gefertigt wurde. Es passt besonders gut in den romanischen Chorraum. Die Kreuzesbalken zeigen Blattwerk, das auf einen Baum verweist. Durch den Baum, von dem Adam und Eva unerlaubterweise den Apfel gegessen haben, ist die Sünde, die Entfremdung von Gott, in die Welt gekommen. Durch den Kreuzesbaum von Golgatha, an dem Christus sich geopfert hat, ist die Erlösung, die Überwindung der Entfremdung von Gott, in die Welt gekommen. Christus trägt an dem Kreuz statt der üblichen Dornenkrone die karolingische Kaiserkrone. Der Künstler hat nicht nur den Gekreuzigten von Karfreitag dargestellt, sondern gleichzeitig den Auferstandenen von Ostern. Der Ohnmächtige ist der Sieger über den Tod. Der Kreuzfuß weist in verschlüsselter Symbolik auf den Stammbaum Jesu hin.

Kanzel und Taufbecken

Die Kanzel, die an der Tür die Jahreszahl 1632 hat, ist eine kostbare Schnitzarbeit mit reich verziertem Baldachin aus der kunstgeschichtlich nur kurzen Epoche des Manierismus. Vorherrschend ist als Verzierung das Motiv des Schutzengels, der neunmal am Kanzelkorb vorkommt (9 = 3 x 3 = potenzierte Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist). Der Künstler macht damit die Aussage: Auf allen Wegen sind wir vom Schutz des Dreieinigen Gottes umgeben, auf den wir getauft sind. Am Kanzelbaldachin kommt das Schutzengelmotiv in Variationen ebenfalls neunmal vor. Zweimal also begegnen wir den neun Schutzengeln. Die Zahl 2 war im Mittelalter die alte Symbolzahl für Zeit und Ewigkeit. Gekrönt wird der Baldachin über der Kanzel mit einer Figur des auferstandenen Christus, der ein Kreuz mit der Siegesfahne in der Hand hält.

Der Taufbrunnen, eine Holzschnitzarbeit, trägt die Jahreszahl 1686. Seine Gestalt ähnelt einem Kelch. Was in der hl. Taufe beginnt, findet immer wieder seine Krönung in der Feier des hl. Altarsakramentes, wo Christus uns mit dem Brot des Lebens speist und aus seinem Kelch tränkt.

Die Orgel

An der Orgel steht die Jahreszahl 1661. Sie wurde erbaut durch einen unbekannten Orgelbauer. Die Initialen F.W.C.Z.B. erinnern daran, dass »Friedrich Wilhelm Churfürst Zu Brandenburg«, der Große Kurfürst, der Kirche die Orgel gestiftet hat. Dieses schmucke barocke Orgelgehäuse, das im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert wurde, ist im Rahmen einer Restaurierung wieder auf die ursprünglichen Maße gebracht worden.

I. Hauptwerk II. Unterwerk Pedal
Rohrflöte
Prinzipal
Waldflöte
Sesquialtera 2f
Mixtur 4f
Schalmey
8
4
2

1 1/3
8
Gedackt
Spitzflöte
Prinzipal
Quinte
Zimbel 2f

Tremulant
8
4
2
1 1/3
1/2
Subbass
Offenbass
Dulcian
16
8
8
6 5 3

In dieses alte Gehäuse baute die Orgelbaufirma Alfred Führer (Wilhelmshaven) im Jahre 1977 eine zweimanualige Orgel mit Pedal und 14 klingenden Registern.

 

Kanzel mit Wandfresken

Innenansicht der Kirche nach dem Umbau 1977

Altarraum der St.-Ulricus-Kirche um 1955 mit Fiegenburg-Prieche

Altar der St. Ulricus-Kirche

Kanzel der St.-Ulricus-Kirche
Orgel mi Initialen F.W.C.Z.B.

Sonstiges

An der Südseite der Kirche hängt ein Gemälde »Kreuzigungsszene« aus dem Jahre 1599, das sog. Marmelstein-Bild. Es ist benannt nach dem Pfarrer Johannes Marmelstein, der sich auf diesem Bild mit seiner Familie unter dem Kreuz Christi darstellen ließ. Johannes Marmelstein (* 4. März 1552, † 27. August 1636) begann seien Dienst als Pfarrer in Börninghausen im Jahr 1581 und hatte mit 55 Dienstjahren wohl die längste Amtszeit aller Börninghauser Pfarrer. Nach seinem Tode folgte ihm sein Sohn, der ebenfalls Johannes hieß, als Pfarrer.

Beachtenswert sind außerdem das Lesepult mit gotischem Schnitzwerk, die Adelswappen an der Orgelempore, der verzierte Kirchenstuhl von 1800 (hinten im Turm), fünf Bankfüllungen die als Wandbilder im Turm aufgehängt sind, der Opferstock von 1845 und draußen an der Nordseite der Kirche insgesamt acht historische Grabsteine.

Nach dem Informationsblatt der Kirchengemeinde sowie Artikeln von Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann und Stadtheimatpfleger Dieter Besserer. Bitte beachten Sie, dass die vorstehenden Informationen und Bilder den Stand des Jahres 2000 wiedergeben, also vor der letzten Kirchenrenovierung.

Weitere Informationen:
Serie über die St. Ulricus-Kirche (4 Teile) - von Dieter Besserer [Lübbecker Kreiszeitung, 2005]
Ökumenisches Heiligenlexikon - Informationen über Ulrich (Uodalricus) von Augsburg.
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie - Bericht über den heiligen Ulrich, Bischof von Augsburg.

 



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