Renovierung  
     
An den Gewölben der Kirche wurden von Fachleuten erhebliche Schäden festgestellt. Eine Ursache für die zuletzt schadhafte Statik war nach Einschätzung von Experten, dass die Mauern der Ulricus-Kirche eigentlich nicht für ein Gewölbe ausgelegt waren. Ursprünglich hatte die Kirche eine Flachdecke. Die Gewölbe sind erst im 15. Jahrhundert (nach dem Kirchenbrand von 1463) im Langhaus eingezogen worden. Sie waren bedrohlich abgesackt und hatten deshalb bereits im Dezember 1991 Notabstützungen erhalten. Die historische Empore war seither nicht mehr zu benutzen. Die vorhandenen Risse in den Gewölben wurden trotzdem ständig größer. Das westliche Gewölbe des Kirchenschiffes war akut gefährdet; ein Einsturz war durchaus möglich. Hier war dringender Handlungsbedarf gegeben. Das galt auch für den sog. Gurtbogen zwischen Kirchschiff und Altarraum. Hier hatten sich Steine durch das Auseinanderdriften der Außenmauern gelöst.

Sanierungsschild

1. Bauabschnitt:
Anfang November 2004 begannen die Arbeiten für den ersten Bauabschnitt, die Sanierung der Gewölbe. Nach dem Einrüsten der Kirche wurde das gefährdete Gewölbe vorsichtig auf das Gerüst abgesetzt, so dass mittels hydraulischer Pressen das Gewölbe in seine ursprüngliche Gewölbeform wieder hoch gedrückt werden konnte. Bei diesem Anheben der Gewölbekappen riss die Konstruktion oben auf. Diese gewollten Risse wurden kraftschlüssig vermauert und mit Mörtel vergossen. Damit war die Tragfähigkeit wieder hergestellt.  Nachdem die Gewölbekappen von oben her gründlich gereinigt und alle lockeren Bestandteile entfernt worden waren, wurden die Fugen ausgegossen. Der Fugen- und Rissverguss geschah mit einem Kalkmörtel, der mit Rehhaaren versetzt war.

Um künftig einem weiteren Auseinanderdriften der Außenmauern zu begegnen, ist ein System von Ankern aus Edelstahl eingebaut worden, das wie ein Korsett die Horizontalschübe der Gewölbe eliminiert. Zusätzlich sind die Gurtbögen übermauert worden, so dass sich eine höhere Stützlinie ergab und so die Horizontalkräfte auf das Gewölbe gemindert werden. Diese Gurtbogenübermauerungen sind als mit Edelstahleinlagen bewehrtes Mauerwerk hergestellt worden, so dass bereits die Gurtbögen die Zugkräfte aufnehmen und die Kirchenlängswände zusammenhalten. Das turmseitige Gewölbelager war seinerzeit nur sehr unzureichend hergestellt worden, so dass dort sehr breite Risse entstanden. Die Widerlager des Gewölbes wurden tiefer in das Mauerwerk eingebunden und intensiver mit dem Turmmauerwerk vernadelt. Nach dem Verputzen in den sanierten Bereichen war die statische Sanierung des Kirchenschiffes abgeschlossen und eine ausreichende Standsicherheit wieder gegeben.

Die Baumaßnahme wurde von der Pr. Oldendorfer Firma Meyer Restaurierungen durchgeführt. Die Kosten des ersten Bauabschnitts hatten ein Gesamtvolumen von rund 185.000 Euro.

Abstützung des westlichen Gewölbes Kopfplatte mit Spannglied Arbeiter beim vergießen der Risse im Gewölbe
Diese Fotos wurden uns von Firma Meyer Restaurierungen GmbH & Co. KG zur Verfügung gestellt.
Bild 1 (Links): Abstützung des westlichen Gewölbes
Bild 2 (Mitte): Kopfplatte mit Spannglied
Bild 3 (Rechts): Arbeiter beim vergießen der Risse im Gewölbe

2. Bauabschnitt:
Turmsanierung 2006Nach der Gewölbesanierung blieb weiterhin die Sorge um den Bestand des Turmes, der als ältester Teil des Kirchengebäudes Ende des 12. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das Bauwerk hat Jahrhunderte überdauert, aber der spätere Einbau einer Treppe im westlichen Teil hinterließ Spuren. In diesem Bereich wölbte sich das Mauerwerk nach außen, so dass es der Belastung auf Dauer nicht länger Stand gehalten hätte. Die Herrichtung der Turmstatik erfolgte im zweiten Bauabschnitt ab Sommer 2005 ebenfalls durch die ortsansässige Fachfirma Meyer. Zunächst musste der Kirchturm eingerüstet werden. Zur Turmsicherung wurden dann Span- und Nadelanker im Bereich der Westwand und der unteren Gewölbedecke eingebracht. Da der Turm bereits eingerüstet war, wurde gleichzeitig der abweichende Verputz der Turmostwand dem Putz der übrigen Turmseiten angeglichen. Außerdem wurden alle Seiten des Kirchturms gereinigt und mit mineralischer, heller Farbe gestrichen.

Die Turmsanierung kostete ca. 65.000 Euro. Hilfe leisteten dabei mit jeweils 20.000 Euro die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) und die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmale (KiBa). Weitere 10.000 Euro stellte die Detmolder Bezirksregierung aus Mitteln des Denkmalschutzes bereit.

3. Bauabschnitt:
Nun stand die Wiederherrichtung des Innenraumes an. Etwa zeitgleich mit dem zweiten Bauabschnitt entfernten Mitglieder des Kirchbauvereins zunächst in Eigenleistung den Fußboden der Kirche bis zur alten Fußbodenheizung. Die Kosten für Material und Abfuhr übernahm der Kirchbauverein. Für die Notwendigkeit, den Boden der Kirche zu entfernen, gab es gleich mehrere Gründe. So war die 35 Jahre alte Fußbodenheizung völlig marode und funktionierte nicht mehr. Außerdem war durch das Anheben des Bodenniveaus im Innenraum und auch außerhalb der Kirche das Mauerwerk durch aufsteigende Feuchtigkeit stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Mit einer Bodenabsenkung konnte dem Einhalt geboten werden. Gleichzeitig wurden auch die Proportionen des Bauwerkes wieder so angeglichen und zur Geltung gebracht, wie dies ursprünglich der Fall war.

Nach diesen Vorarbeiten übernahmen ab November 2005 zunächst Archäologen des Landesdenkmalamtes Münster das Regiment in der Kirche. Unter Beteiligung einiger freiwilliger Helfer begannen die Ausgrabungsarbeiten. In der Kirche befanden sich verschiedene Fußböden vergangener Jahrhunderte in Schichten übereinander. Die einzelnen Schichten wurden sorgfältig freigelegt, vermessen, dokumentiert und untersucht. Bei den Grabungen wurden bemerkenswerte Funde, u. a. alte Münzen und Scherben, gemacht.

Ende 2006 wurden die Grabungen in der St. Ulricus-Kirche abgeschlossen und im Frühsommer 2007 konnten die Arbeiten für den dritten Bauabschnitt endlich fortgeführt werden. Zur Vorbereitung für den späteren Bodenbelag wurden im Chorraum, im Langhaus sowie unten im Turm die erforderlichen Blähtonplatten gegossen. Restauratoren der Firma Böddeker & Schlichting aus Paderborn reinigten dann fachgerecht die Wandmalereinen mit den wertvollen Fresken aus der Zeit von 1450. Die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmale (KiBa) beteiligte sich mit 10.000 Euro und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) mit 70.000 Euro. Anschließend wurde das Langhaus eingerüstet und die Kirche erhielt einen neuen Innenanstrich, wobei natürlich alte Farbgebungen und Ornamente, die wieder entdeckt wurden, berücksichtigt worden sind.
 

Restaurierung der Farbgebungen und Ornamente 2007 Restaurierung der Farbgebungen und Ornamente 2007 Restaurierung der Farbgebungen und Ornamente 2007
Diese Aufnahmen entstanden im November 2007
und zeigen die frisch ausgemalten Ornamente an der Gewölbedecke

Nachdem im Frühjahr 2008 das Gerüst wieder entfernt worden war, wurde die neue Heizung eingebaut. Es handelt sich um eine Heizung mit drei Bodenstationen. Die Geräte arbeiten im Umluftbetrieb. Die angesaugte Luft wird gefiltert, in einem Pumpenwarmwasser-Heizregister erwärmt und dem Raum wieder zugeführt. Außerdem wurde die Kirche mit einem Fußbodentemperiersystem ausgestattet. Wegen der wertvollen historischen Orgel von 1661 ist es wichtig, dass ständig eine Grundtemperatur in der Kirche vorhanden ist.

Nach Fertigstellung der Heizung wurden helle Natursteinplatten als Fußboden in der Kirche verlegt. Auch die Kanzel von 1632 mit ihrem reich verzierten Schalldeckel, die wieder am alten Standort an der Südseite vor dem Triumphbogen aufgestellt wurde, musste restauratorisch aufgearbeitet werden; ebenso auch der historische Orgelprospekt von 1661. Am 27. April 2008 wurde die Wehrkirche St. Ulricus nach dreieinhalbjähriger Renovierung - vorerst ohne Empore - feierlich wieder eröffnet. Die Renovierungskosten beliefen sich bis zu diesem Zeitpunkt auf 635.000 Euro.

4. Bauabschnitt:
Bei der Wiedereröffnung der Wehrkirche war die Außenanlage noch nicht fertig gestellt, die Turmuhr war defekt, die Empore konnte noch nicht wieder eingebaut werden und auch die Überholung der wertvollen Orgel stand noch aus. Im Juni 2009 bekam die Kirche einen neuen Außenanstrich unter großer Beteiligung von Mitgliedern des Kirchbauvereins.

Die Genehmigung zur Neugestaltung der Außenanlagen hatte die Stadt Pr. Oldendorf als untere Denkmalbehörde bereits Anfang 2008 erteilt. Da der gesamte Kirchplatz als Bodendenkmal gilt, hatte sich auch das Landesamt für Archäologie Münster mit den Plänen befasst und Richtlinien für die Durchführung der anstehenden Arbeiten festgelegt. Im August 2009 wurde der südliche Kirchplatz mit den Außenanlagen hergerichtet. Der Kirchplatz wurde begradigt und der Boden so weit abgesenkt, dass der Eingang zur Kirche nun wieder ebenerdig liegt. Außerdem werden sechs Linden an den Platzzugängen gepflanzt. Die Arbeiten wurden zum großen Teil in Eigenleistung von Mitgliedern des Kirchbauvereins ausgeführt. Die Einweihung des Kirchplatzes fand dann am 13. September 2009 statt.

Neuer Anstrich der KircheAußenarbeiten

Diese beiden Fotos entstanden im Jahr 2009 und zeigen einige Mitglieder des
Kirchbauvereins beim Außenanstrich der Kirche und bei Arbeiten
an der Außenanlage

Die Zeiger der Kirchturmuhr mit den drei Zifferblättern am Turm von St. Ulricus standen jahrelang auf kurz vor halb zwölf. Bei der Kirchturmuhr der St. Ulricus-Kirche BörninghausenKirchenrenovierung und Turmsanierung war viel Staub und Schmutz in das Uhrwerk eingedrungen. Eine Reparatur war längst überfällig, scheiterte aber an den hohen Kosten, die dafür von einer Fachfirma veranschlagt wurden. Eine solche kostspielige Reparatur konnte sich die Kirchengemeinde nicht leisten und daher musste diese zurück gestellt werden. Dann kam der Zufall zur Hilfe! Die damalige Presbyterin Erika Nobbe sprach mit Heinrich Stiegelmeyer über die defekte Uhr. Er erklärte sich bereit, die alte Turmuhr anzusehen und die Reparatur zu versuchen. Mit viel Einsatz hat er, obwohl er kein gelernter Uhrmacher ist, das Uhrwerk sorgfältig gereinigt und dann fachgerecht in Stand gesetzt. Die 1932 gebaute Kirchturmuhr läuft seit dem Sommer 2010 nun wieder tadellos und zeigt Bewohnern und Besuchern des Eggetals in drei Himmelsrichtungen wieder die korrekte Uhrzeit an.

Lange Zeit glich die Fläche an der Nordseite der St.-Ulricus-Kirche eher einer Schutthalde als einem Kirchplatz. Nachdem die Südseite des Kirchplatzes im Jahr 2009 fertig gestellt worden war, konnten im September 2011 die Arbeiten auf der Nordseite abgeschlossen werden. Viele ehrenamtliche Helfer hatten die Fläche begradigt und Rasen eingesät. Außerdem wurden die Grabsteine wieder befestigt, die Türen gestrichen und die Stufen zur Empore erneuert. Knapp sechs Wochen waren die ehrenamtlichen Helfer mit Pflaster- und Erdarbeiten beschäftigt. Dank ihrer freiwilligen Arbeitsleistung musste die Kirchengemeinde nur die Materialkosten (insgesamt 12.000 Euro für Nord- und Südseite) tragen. Bis zu diesem Zeitpunkt betrugen die Renovierungskosten 750.000 Euro. 

Im Jahr 2012 wurde schließlich die Westempore in der Kirche eingebaut. Der Landrat des Kreises Minden-Lübbecke als obere Denkmalbehörde genehmigte mit Bescheid vom 6. März 2008 den Einbau der vergrößerten Westempore (als Ersatz für die bisherige Empore, die sich in L-Form über West- und Nordseite erstreckte). Mit einer Grundfläche von 30 Quadratmetern bietet die neue Westempore nun Raum für 45 Sitzplätze. Teile der Empore stammen bereits aus dem 17. Jahrhundert. Aus denkmalrechtlichen Gründen mussten außerdem alle erhaltenswerten Teile der alten Empore wieder in die Kirche eingebaut werden. So bilden die ältesten Elemente, auf denen die Inschrift »In Dei Gloriam Et Ecclesiae Augmentum: Mense Majo Anno 1684« (Zur Ehre Gottes und zur Vergrößerung der Kirche, im Monat Mai im Jahre 1684) zu lesen ist, jetzt die Brüstung der neuen Westempore. Die übrigen Elemente wurden als Wandpaneele angebracht. Die Einweihung der Westempore erfolgte im Gottesdienst zum Entedankfest am 30. September 2012.

Hinteres Kirchenschiff nach dem Einbau der Westempore

Hinteres Kirchenschiff nach dem Einbau der Westempore

Nächste Aufgabe wird die überfällige Restaurierung der historischen Orgel sein. Wegen der Akustik in der Kirche musste diese Maßnahme bis nach dem Einbau der Empore zurückgestellt werden.

(Stand März 2013)



Stiftung KiBa - Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland
Stiftung KiBa - Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland